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Was ist Sünde?
Beim Wort Sünde denken wir an Mord, Vergewaltigung oder Diebstahl, eben kriminelles Verhalten, für das uns der Staat zur Verantwortung zieht. Doch der Ursprung der Sünde liegt ganz woanders.
Hans Peter Royer
Der moderne Mensch meinte, die Menschheit würde sich entwickeln, die Vernunft regieren, die Menschen in Frieden miteinander leben. Wir glaubten an den Fortschritt der Wissenschaft, an Technik, Vernunft und Intellekt. Die Fakten des aufgeklärten 20. Jahrhunderts sind allerdings ernüchternd. Es war das blutigste Jahrhundert der ganzen Weltgeschichte mit Stalin in Russland, Mao Tse Tung in China, Hitler in Europa, Hiroschima, Vietnam und viele mehr. Vor dem 2. Weltkrieg hätte kaum jemand geglaubt, dass das deutsche und österreichische Volk im Stande sein würde, einen Gräuel wie den Holocaust durchzuziehen. Waren wir doch bekannt als die Länder der Denker, der Musiker und Poeten. Und doch ist es geschehen. Und zu glauben, dass das 21. Jahrhundert besser wird, ist eine Illusion. Im Moment gibt es etwa 40 Kriege auf unserem Planeten. Das Blut von Menschen wird täglich vergossen.
Der Mensch ist ein zwiespältiges Wesen. Einerseits sind wir so kreativ und andererseits doch so entstellt. Wir erfinden Heissluftballone und erfreuen uns an der Schönheit der Schöpfung. Gleichzeitig erfinden wir Landminen, mit denen wir die Füsse von Kindern wegsprengen. Wir geben unseren Kindern die bestmögliche Ausbildung und verkaufen junge Mädchen an Zuhälter. Wir bauen die Europabrücke und gleichzeitig machen wir Städte dem Erdboden gleich.
«Ich» laufe falsch Eine Londoner Zeitung forderte ihre Leser auf, einen Artikel einzusenden zum Thema: «Was läuft schief in unserer Welt?» (What’s wrong in the world?). Der englische Staatsmann G. K. Chesterton antwortete extrem kurz und für den Journalisten wahrscheinlich im ersten Moment nicht sehr einleuchtend. Er schrieb nämlich: «Auf Ihre Frage, was in unserer Welt schiefläuft: ‹Ich›». Ihr G. K. Chesterton.
Der Mensch versucht eine Zivilisation zu bauen, ohne zu wissen, wie man zivilisiert lebt. Er philosophiert, ohne den Meister der Philosophie zu kennen. Er versucht sich in Kunst, ohne den Meisterkünstler zu kennen. Er moralisiert über das Leben, ohne den zu kennen, der die Moral gegeben hat. Er ist so klug und doch so ein Tor.
Der Apostel Paulus bringt es auf den Punkt, indem er sagt: «Indem sie sich für Weise ausgaben, sind sie zu Narren geworden ...» Gottes Analyse über das Menschenherz ist nüchtern und realistisch. Der Prophet Jeremia schreibt: «Trügerisch ist das Herz, mehr als alles, und unheilbar ist es!» Unser Herz ist nicht aufrichtig, sondern trügerisch. Das macht sich in allen Facetten des Alltags bemerkbar – es offenbart sich jeden Tag. Allerdings haben wir uns so daran gewöhnt, dass es uns zum Teil gar nicht mehr auffällt.
John Stott sagte Folgendes über den Zustand unserer zivilisierten Gesellschaft: «Ein Versprechen ist nicht genug, wir brauchen Verträge. Türen sind nicht genug, wir brauchen Schlösser. Eine Zugfahrt zu bezahlen ist nicht genug; wir brauchen eine Fahrkarte, die geprüft, abgestempelt und eingesammelt werden muss. Gesetz und Ordnung ist nicht genug, wir brauchen Behörden und Polizei, um diese Gesetze auch durchzusetzen. All diese Dinge, die für uns normal sind und an die wir uns gewöhnt haben, sind ein Resultat von Sünde. Wir können uns gegenseitig nicht vertrauen, wir müssen uns voreinander schützen, es ist tatsächlich ein trauriger Zustand.»
Ich könnte diese traurige Liste beinahe endlos weiterführen:
- Steuerformulare auszufüllen ist nicht genug, wir brauchen Steuerprüfer.
- Schulregeln sind nicht genug, wir brauchen eine Schuldisziplin (selbst bei kleinen Kindern!).
- Geschwindigkeitstafeln sind nicht genug, wir brauchen Radargeräte.
- Lebensmittelbeschreibungen auf der Verpackung sind nicht genug, wir brauchen Kontrollorgane, wo die Angaben auf Wahrhaftigkeit überprüft werden.
- Anzugeben, was ich ins Flugzeug mitnehme, ist nicht genug, wir brauchen Scannergeräte, um die Dinge transparent zu machen.
- Meinen Namen zu nennen ist nicht genug, ich brauche einen Ausweis, um es zu bestätigen.
- Im Gerichtssaal ist es nicht genug, dass ich bezeuge, was ich gesehen habe. Ich muss schwören. Und selbst dann hat es oft nichts mit der Wahrheit zu tun.
Jesus Christus hat dieses Dilemma in einem Satz auf den Punkt gebracht: «Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken hervor: Unzucht, Dieberei, Mord, Ehebruch, Habsucht, Bosheit, Arglist, Ausschweifung, Neid, Lästerung, Hochmut, Torheit; alle diese bösen Dinge kommen von innen heraus ...» (Markus 7,21–23).
Lesen Sie den ganzen Artikel in ethos 3/2010.
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