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Unter Nomaden

Sonja Dürrenmatt bringt den Wodaabe-Nomaden Lesen und Schreiben bei und vermittelt Hoffnung, wo Menschen panische Angst vor Geistern haben.

Bild: Fenster zum Sonntag/SIM Irgendwo im Norden des Wüstenstaates Niger, in einem Dorf der Wodaabe-Nomaden, weit ab von jeglicher modernen Zivilisation, lebt die Riehener Diakonisse Schwester Sonja Dürrenmatt. Im Moment bewohnt sie eine Rundhütte, normalerweise lebt sie im Zelt. Auf drei Metern Durchmesser: Schlafplatz, Küche und Wohnraum. Am Rand ein Eimer mit Wasser aus dem Brunnen. Mittags kocht sie sich eine Kleinigkeit, abends isst sie, was die Wodaabe ihr bringen.

«Ich lebe hier im Staub mit sehr beschränktem Speiseplan. Ich schränke mich ein, weil ich bewusst nicht will, dass ich mehr als die anderen habe. Aber ich empfinde es nicht als Opfer», erzählt die Schweizerin, die ihren Platz in der Sahara gefunden hat. Der ständige Wind peitscht den Sand überall hin. Kein Reissverschluss, kein Kleidungsstück, kein Gefäss hält das lange aus.

Noch bevor es richtig hell wird, beginnt Sonja den Tag mit einer Gebetszeit. Dabei bereitet sie sich auch auf die Andacht mit ihren Schülerinnen und Schülern vor. Einige haben die gleichen Bibelverse zu lesen bekommen. Zusammen sprechen sie darüber, was sie für den Tag und die Woche bedeuten könnten.

Der traditionelle Glaube der Wodaabe ist eine Mischung aus Islam und Geisterglaube. Böse Geister und Zauberei haben früher ihren Alltag bestimmt. Heute beginnt jeder Morgen mit einem Bibelstudium. «Sie haben erlebt», berichtet Sonja, «wie Jesus in ihr Leben gekommen ist, wie er sie frei gemacht hat von der Angst vor Geistern. Sie hatten eine fürchterliche Angst vor Geistern. Am Abend, sobald es dunkel wurde, wäre keiner mehr in das Wäldchen gegangen, selbst wenn er deshalb ein Tier verloren hätte. Sie hatten einfach Angst. Doch sie haben erlebt, dass Jesus sie von der Angst frei gemacht hat.»

Eine Gruppe von Mädchen formiert sich und bewegt sich in kleinen Tanzschritten zu den Liedern, die sie anstimmen. Ihr Ausdruck im Tanz und im Singen, und auch ihre Art zu beten, macht die Freude deutlich, die an Stelle der Angst vor den Finsternismächten in ihr Leben getreten ist.

Seit zwei Jahren lebt Schwester Sonja im Clan von Diyowa. Früher war er wegen seiner Gewalttätigkeit gefürchtet. «Ich bin meiner Wut nicht mehr ausgeliefert», bezeugt er. «Jesus hat mir Frieden und Freude in mein Herz gegeben. Mit meinen Frauen und den Kindern komme ich besser aus als früher. Wir besprechen Probleme jetzt gemeinsam. Die Mächte der Finsternis beschwöre ich nicht mehr. Der Glaube an Jesus Christus hat mich verändert.»

Vor einigen Jahren hat Schwester Sonja bei der Grossfamilie von Ahmat gelebt, zusammen mit drei Frauen und den 17 Kindern. Sie hat alle in Lesen und Schrei-ben unterrichtet und ihnen das Evangelium von Jesus Christus nahe gebracht. Ahmat erinnert sich: «Wir wussten nicht, dass es einen Erlöser gibt. Jeder hat gemacht, was er für richtig hielt. Doch dann hat Gott begonnen, sein Wort auszusäen. Seit ich Jesus Christus kenne, habe ich keine Angst mehr, dass mich Geister plagen. Ich danke Gott, dass Schwester Sonja zu uns gekommen ist und uns das Wort Gottes erklärt hat.»

Etwa 80 Prozent der Bevölkerung im Niger sind Analphabeten. Jeden Tag unterrichtet Schwester Sonja Lesen und Schrei-
ben, um die Chancen für ihre Wodaabe zu verbessern. Sie ist jetzt 68 Jahre alt. Einige Monate will sie noch hier bleiben, bevor sie ganz in die Schweiz zurückkehrt.

Ahmat ist zuversichtlich: «Auch wenn Schwester Sonja uns verlässt, wird die Freude bleiben. Der Geisterglaube hat uns geknechtet, Jesus hat uns frei gemacht. Das werde ich weitersagen. Wir haben Bibeln und können alles selbst nachlesen. Die Freude an Jesus und an Gottes Wort wird bei uns bleiben.»

Schwester Sonja freut sich über die Veränderung, die stattgefunden hat: «Wenn man bedenkt, dass im Mai 2006 hier noch alles Finsternis war. Es gab keinen einzigen Christen, niemand, der das Evangelium gehört hat. Was bis heute geschehen ist, das ist für mich einfach jeden Tag ein neues Wunder.»

Quelle: SIM heute, 1/2010; www.sim.ch

Video über Schwester Sonja Dürrenmatt im Internet: www.sim.ch/sim/chdsite/home.htm   


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