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Papiertiger unter Waffen

(22. April 2009/tl.) – Der gewiefte Taktiker Recep Erdogan hat das grösste Militärbündnis der Welt faktisch paralysiert. 60 Jahre nach ihrer Gründung kann die NATO ihre Aufgabe nicht erfüllen.

40 Jahre lang war die Aufgabe der NATO, des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses, klar. Sie ergab sich aus ihrer Stellung als Gegenspieler des Warschauer Paktes. Mit dem Ende des Kalten Krieges endete dieser Auftrag – aber nicht die Gefährdung der westlichen Gesellschaften durch totalitäre Ideologien. Die Islamische Revolution im Iran von 1979 war das – zunächst unbemerkte – Fanal zu den Flächenbränden des Islamismus. Diese halten die Welt seither in Atem. Mit den gewohnten Herausforderungen nationalstaatlicher oder supranationaler Bedrohungen waren und sind diese neuen Phänomene nicht zu vergleichen. Für Länder, die auf dem Fundament einer christlich-jüdischen Wertegemeinschaft entstanden, sind sie in vielfältiger Weise zu Fragen von existentieller Bedeutung geworden: sicherheitspolitisch, demografisch, militärisch und – nicht zuletzt – religiös.

Es schien nahe liegend, dass die NATO in der Herausforderung durch den politischen und militanten Islam zu einer eigenen Verantwortlichkeit findet. Der frühere NATO-Generalsekretär Willy Claes und auch der ehemalige spanische Ministerpräsident Aznar erkannten in der Abwehr des militanten Dschihadismus eine neue Aufgabe für die NATO. Aznar meinte, die NATO solle sich auch gegen die Verbreitung von Massenvernichtungswaffen engagieren. Vor dem Hintergrund des zielstrebigen Strebens Irans nach der Atombombe ist dieses Ansinnen gut zu begründen. Allein: Mit einer Türkei als Mitglied der NATO ist es schlicht undenkbar, dass das Bündnis zu einer solchen Aufgabe findet.

Von ihr ist auch keine Rede mehr. Das scheitert daran, dass die Türkei Mitglied der NATO ist. Die NATO, einst machtvolles Militärbündnis, ist durch die geschickte Politik der Türkei und westliche Indifferenz paralysiert. mehr...


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