Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Wo ist Gott?

(09. März 2010/hje.) – Das Evangelium verharmlost den Widerspruch zwischen Gottesglauben und Welterfahrung nicht. Gedanken über das Leid in der Welt und den Gott, der Liebe ist.

Das Evangelium von Jesus Christus verharmlost den Widerspruch zwischen der geglaubten Realität des liebenden Gottes und der erfahrenen Wirklichkeit der Anfechtung und Einsamkeit nicht.¹

Das öffentliche Wirken Jesu beginnt nach dem ältesten Evangelium² mit den programmatischen Worten Jesu: «Die Zeit ist erfüllt und die Königsherrschaft Gottes ist gekommen – d. h. sie ist da³. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!» (Mk. 1,15). Angesichts dieses Erfüllungsanspruchs der «Guten Nachricht» von Gottes Offenbarsein und Gegenwart in Jesus Christus erscheinen die offensichtlichen Erfahrungen von Leid und Krankheit, von Not und Ungerechtigkeit, von Vergänglichkeit und Tod umso qualvoller. Im aufscheinenden Licht des Evangeliums von Gottes Zuwendung und Herrlichkeit wird die Erfahrung der «dunklen Seiten Gottes» umso schmerzlicher empfunden.

Wäre Gott nach dem biblischen Zeugnis wechselhaft und unbeständig, so könnte man alle Leiderfahrung seiner Ablehnung und seiner Unberechenbarkeit zuschreiben. Da er aber nach seinem Wesen liebend und gerecht sein soll, da er Licht ist und nicht Finsternis, erscheint eine von Ungerechtigkeit und Hass erfüllte Wirklichkeit als unvereinbar mit dem Glauben an die Güte und Zuverlässigkeit Gottes.

¹ Nach einem Vortrag beim Studientag der Evang.-theol. Fakultät der Universität Tübingen und des Pfarrvereins zu dem Thema «Wo ist Gott? Die Theodizee-Frage und die Theologie im Pfarramt» am 11. Juli 2008.
² Dem Markusevangelium ist auch die Formulierung unseres Themas entlehnt: Mk. 15,34 (Ps. 22,2).
³ Mk. 1,15 spricht nicht nur von dem nahen Bevorstehen der Gottesherrschaft, sondern bereits von seinem Dasein, seinem gegenwärtigen Angebrochensein in der Person und dem Wirken Jesu. Zur resultativen Bedeutung des Perfekt ἤγγικεν «es hat sich genaht» = «es ist da» vgl. Mk. 14,42; als sachliche Parallele s. Mt. 12,28 (par. Lk. 11,20): «Wenn ich aber durch den Geist Gottes die bösen Geister austreibe, so ist ja die Königsherrschaft Gottes zu euch gekommen (ἔϕθασεν).» Vgl. Mk. 3,27; s. zum Ganzen H.-J. Eckstein, Glaube und Sehen. Markus 10,46–52 als Schlüsseltext des Markusevangeliums, in: Ders., Der aus Glauben Gerechte wird leben. Beiträge zur Theologie des Neuen Testaments, BVB 5, 2. Aufl., Münster u. a. 2007, 81–100, hier 96, Anm. 95.

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 2/2010.


zurück

Das aktuelle Heft:
factum 6/2010


factum 6/2010

factum-Jahres-CD 2009

FACTUM-Jahres-CDs
Ein ganzes Jahr auf einer Scheibe...



Zeitschriften für Gefangene ...

Fotolia – Lou Oates

Ein Zeitschriftenabo wirkt nachhaltig


SUCHEN.FINDEN. LEBEN.ethos.
Frohe Botschaft mitten im Leben!


ethos - für die Familie