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Morddrohung gegen Comiczeichnerin Molly Norris
(24. September 2010/tl.) – Islamische Fanatiker haben gegen die amerikanische Comiczeichnerin Molly Norris eine Fatwa verhängt, in der muslimische Gläubige aufgefordert werden, sie zu töten. Sie hatte es gewagt auf der Internet-Plattform Facebook einen „Zeichnet-Mohammed-Tag“ auszurufen.
Molly Norris veröffentlicht jede Woche einen Cartoon im „Seattle Weekly“ im US-Bundesstaat Washington. Ihren Aufruf auf Facebook, eine Mohammed-Karikatur zu zeichnen, hatte sie mit einem eigenen Cartoon eröffnet. Darin sind eine Nudelpackung, eine Kaffeetasse, eine Garnrolle, ein Dominostein und eine Handtasche zu sehen, die jeweils wütend behaupten, sie, und nur sie, seien das wahre Abbild Mohammeds.
Das hat den muslimischen Geistlichen Anwar al-Awlaki veranlasst, eine Todes-Fatwa gegen die Zeichnerin auszusprechen. In seinem im Internet veröffentlichten Aufruf heisst es wörtlich: „Eine Seele, die dermassen minderwertig ist, dass sie Gefallen daran findet, den Boschafter Allahs lächerlich zu machen, die Gnade für die Menschheit; eine Seele, die dermassen undankbar gegenüber ihrem Herrn ist, dass sie den Propheten jener Religion diffamiert die Allah für seine Schöpfung bestimmt hat, verdient nicht zu leben, sie verdient es nicht Luft zu atmen“.
Der Autor dieser wirren Zeilen, Anwar al-Awlaki, hat Verbindungen zu Al Quaida. Er hat auch den amerikanischen Armeepsychiater Nidal Malik Hasan zu dem Massaker unter seinen Patienten und Kameraden veranlasst. Hasan hatte im November des vergangenen Jahres dreizehn Menschen ermordet. Anwar al-Awlaki ist in den USA geboren, die amerikanischen Sicherheitsbehörden versuchen seiner habhaft zu werden. Er ist, so wird vermutet, im Jemen untergetaucht.
Die Zeichnerin Nelly Morris wurde vom FBI aufgefordert, sich zu verstecken, ihren Namen zu wechseln, ihre bisherige Arbeit aufzugeben. Ihr Leben sei in Gefahr. Sie lebt inzwischen an unbekanntem Ort. Der Kolumnist Hannes Stein schreibt in der Tageszeitung „Die Welt“ über den Fall: „Es ist eine Schande für jeden von uns, dass Molly Norris nicht mehr als normale Bürgerin unter uns lebt, dass sie ihre Arbeit verloren hat und ihren Namen auslöschen musste.“ Viel zu lang sei die Liste derer, die von Islamisten mit dem Tod bedroht werden, schreibt Hannes Stein und erinnert an Salman Rushdie, Ayaan Hirsi Ali und Kurt Westergaard. „Das Mindeste, was wir Journalisten tun können, ist, dass wir uns aus Solidarität mit Molly Norris noch heute an dem von ihr ausgerufenen Zeichnet-Mohammed-Tag beteiligen“, schrieb der Kolumnist und steuerte ein Strichmännchen bei, mit der Aufforderung „an 1600 Millionen Anhänger des Propheten auf diesem Planeten“, darin eine Abbildung des Propheten zu erkennen.
Die Islamisten, die gegen die Darstellung des Propheten mit Morddrohungen vorgehen, scheinen nicht zu wissen, dass Mohammed-Darstellungen seit Jahrhunderten im Islam weit verbreitet sind. Hannes Stein erinnert in seinem Text daran, dass die Darstellung des Propheten nur deshalb unter Muslimen in Verruf geriet, weil das zu einer Vergottung von Mohammed führen könne. Nach islamischer Sicht ist Mohammed ja nicht, wie Christus für die Christen, Gott – sondern eben nur ein Prophet.
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