Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Optimal für scharfes Sehen

(16. Februar 2011/hu.) – Noch immer wird vom Auge als einer durch die Evolution reparierten Fehlkonstruktion gesprochen. Doch die Netzhaut ist optimal eingerichtet, um scharf zu sehen.

Immer wieder bemühen sich Kritiker des Intelligent Design bzw. einer Schöpfung, das Auge als Kronzeuge eines unintelligenten Designs bzw. eines pfuschenden Schöpfers zu instrumentalisieren. Darwin war demgegenüber vom Auge noch so beeindruckt, dass er mit Respekt über die «unnachahmlichen Einrichtungen» schrieb, deren Entstehung durch den von ihm vorgeschlagenen Mechanismus der natürlichen Zuchtwahl zunächst «im höchsten Grade als absurd» erscheine. Aber Darwin blieb optimistisch:

«... so kann die Schwierigkeit des Glaubens, dass ein vollkommenes, kompliziertes Auge durch natürliche Zuchtwahl gebildet worden sein könne (so unüberwindlich sie unserer Einbildungskraft auch erscheinen mag), kaum als real betrachtet werden» (1872, S. 192).

Der Optimismus hinsichtlich der kreativen Möglichkeiten von Evolution ist ungebrochen. Doch das Auge als «vollkommen» oder «unnachahmlich» zu bezeichnen, ist nach Ansicht mancher Evolutionsbiologen nicht mehr zeitgemäss. Der zelluläre Aufbau der Netzhaut von Wirbeltieraugen (die Sinneszellen werden von Hilfszellen und ihren Fortsätzen überlagert) und die Existenz des Blinden Flecks (Austrittsstelle aller Sehnerven aus dem Auge) gaben lange Zeit Rätsel auf, die funktionell nicht ­einleuchten wollten und deshalb als Konstruktionsfehler deklariert wurden. Nur wer diesen «Pfusch» aus der Sicht der «Evolution» betrachtet, könne verstehen, weshalb am Auge nicht alles perfekt, sondern eher dahingeschustert sei (engl.: «tinkering»), so dass manches funktionell unbrauchbar oder ­hinderlich konstruiert sei. Ein klassisches Zitat dazu kommt von Steve Jones, der vor einigen Jahren in dem ­Wochenmagazin «Zeit» unter der Überschrift «Gott pfuscht auch» Folgendes schrieb:

«Zwar sind Augen komplexe Systeme, und wir verstehen nicht in allen Details, wie sie funktionieren – aber die Evidenzen, dass sie ohne bewusste Intervention entstanden, sind überwältigend. ... Alle Augen in der Natur sind gerade nur so kompliziert wie nötig. Tatsächlich ist ihre nur scheinbare Vollkommenheit ein Argument gegen Intelligent Design, denn jede Augenkonstruktion hat ihre eigenen grossen Schwächen. ... Das evolutionäre Lied von den Augen hat viele Dissonanzen. Es ist nicht das Werk eines grossen Komponisten, sondern eines Arbeitstiers ohne Bewusstsein. Kein grandioser Ingenieur hat Augen und alles andere in der Welt des Lebens geschaffen. Es war ein Kesselflicker. Ob es einen grossen Designer da draussen gibt, ist nicht Gegenstand der Wissenschaft. Wenn es ihn geben sollte, beweist die Evolution vor allem eins: Er erledigt seinen Job miserabel» (Die Zeit, 11. August 2005). mehr...


zurück

Das aktuelle Heft:
factum 3/2012


factum 3/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben