Gesellschaft - wohin?
(26. Februar 2011 idea/rh.) – Am Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg wurde auch über gesellschaftliche Entwicklungen diskutiert. Themen waren utner anderem PID, Alterung, Medienüberflutung und zunehmende Erschöpfung.
„Die Würde des Menschen ist in unserer Zeit stark gefährdet. Wir müssen Behinderte und Nicht-Behinderte gleich behandeln, auch bei ungeborenem Leben.“ Diese Meinung äusserte der Generalsekretärs der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (Stuttgart), am 25. Februar auf dem Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg.
Es fehle in Deutschland nicht an Demokratie, sondern an Rechtsstaatlichkeit, sagte Steeb in einer Diskussionsrunde zum Thema „Gesellschaft – quo vadis?“ Er äusserte sich unter anderem zur umstrittenen Präimplantationsdiagnostik (PID). Mit dieser Methode werden künstlich befruchtete Eizellen vor dem Einpflanzen in den Mutterleib auf mögliche genetische Defekte untersucht und gegebenenfalls vernichtet. Kritiker sehen das als „Selektion“ sogenannten „unwerten Lebens“ an. Nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs vom vorigen Jahr, das PID für zulässig erklärte, muss der Bundestag ein neues Gesetz beschliessen. Steeb tritt für eine Fortdauer des Verbots ein. Ebenso kritisierte er die Regelung der Abtreibung. Wenn Ungeborene bereits ein Erbrecht hätten, wie könne es dann sein, dass andere über ihre Tötung entscheiden dürften, fragte er.
Der Dekan der Freien Theologischen Hochschule Gießen, Stephan Holthaus, sieht mit Sorge die Zunahme einer im Diesseits verankerten Erlebnisreligiosität. „Wenn wir Gott verdrängen, werden überall religiöse Götzen um die Ecke lugen, weil der Mensch nicht ohne Gott leben kann“, sagte er. Dieser neuen Spiritualität müsse die Kirche den echten Gott entgegensetzen.
Als grösste Herausforderungen der Zukunft sieht Holthaus daneben den Schwund und die Alterung der Bevölkerung, die Medienüberflutung sowie eine zunehmende Erschöpfung der Menschen.
Mehr Mut, in Erziehungsfragen gegen den Strom zu schwimmen und die Emanzipation der Frauen in Frage zu stellen, forderte die Kinderärztin und Familientherapeutin Maria Steuer (Stade). Kinder würden bleibend in ihrer Entwicklung geschädigt, wenn man sie noch vor ihrem dritten Geburtstag aus der engen Bindung zu den Eltern reisse und sie in eine Krippe gebe. Kinderunfreundlichkeit sei aber nicht das grösste Problem in Deutschland, sondern vielmehr, dass sich immer weniger Menschen für ein Kind entscheiden.
Am Kongress in Nürnberg nahmen knapp 3800 Personen teil. Mit einer Selbstverpflichtung zu einem Wirtschaften in Verantwortung vor Gott und den Menschen ging der Kongress zu Ende. Er stand unter dem Motto "Mit Werten in Führung gehen“.
Die Besucher erhielten zum Abschluss ein Dokument in Scheckkartenformat, das die zentralen Anliegen des Kongresses formuliert. Basis für ein erfolgreiches und soziales Handeln seien die Massstäbe Gottes für die Menschen, wie sie beispielhaft in den Zehn Geboten zum Ausdruck kämen, heisst es in dieser „Nürnberger Erklärung“. Und: "Wir – die Teilnehmer des Kongresses christlicher Führungskräfte – wollen uns bemühen, nach diesen Massstäben zu leben, um damit ein Zeichen in unserer Zeit zu setzen. Wir sind überzeugt: Eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft braucht christliche Werte, mit denen man in Führung gehen kann.“
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