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Die zweite Seite der Medaille

(20.Juli 2011/tl.) – Im Eifer der Atom-Ausstiegsdebatte kommt die faire und sachliche Auseinandersetzung unter die Räder. Christen können ein Beispiel geben für einen vernünftigen Umgang miteinander.

Der Atomenergie stand ich immer kritisch, ja ablehnend gegenüber. Sie erschien mir, schon als Student, als eine menschliche Anmassung. Heute den Strom zu gewinnen und mit dem dabei anfallenden Abfall etwas zu hinterlassen, was die Nachkommen auf unabsehbare Zeit potentiell gefährdet, schien mir nur schwer verantwortbar. Ich bin auch heute noch der Meinung, dass das ein Problem ist. Rolf Höneisen, factum-Chefredakteur, sagte in einem Gespräch, dass der Mensch nach Gottes Willen das Recht habe, in die Natur zu seinem Nutzen einzugreifen, dass er aber in zwei Fällen seine technologischen Möglichkeiten nicht ausspielen sollte: Der Zellkern mit dem menschlichen Erbgut und der Atomkern sollten nicht angetastet werden, und zwar aus Respekt gegenüber dem Schöpfer. Dies erachte ich als gute Selbstbeschränkung.

Die Sicht des Politologen Wilhelm Hennis, die Atomenergie sei ihrem Wesen nach nicht mit dem Mass des Menschen vereinbar, sie sei einfach «nicht dem Menschen gemäss», erscheint mir einleuchtend. Auch der Philosoph Robert Spaemann lehnt die Atomenergie aus christlicher Überzeugung ab. Es gibt offenbar gute Gründe, auch gute christliche Gründe, gegen die Kernenergie.

Aber, jetzt kommt das grosse ABER: Es kann und darf nicht sein, dass Menschen, die nach sorgfältigem Abwägen zu einer anderen Entscheidung in der Bewertung dieser Technik gelangen, ausgegrenzt werden. Es obliegt jedem einzelnen Menschen, und ist in seine individuelle Verantwortung gestellt, in dieser Frage zu diesem oder jenem Entscheid zu kommen. Oder auch, keine klare Stellung zu beziehen. Noch gibt es kein Gesetz, zu allem eine Meinung haben zu müssen – auch wenn betreffs der Atomenergie mittlerweile der Eindruck entsteht, alle müssten einer Meinung sein.

Wer heute die Atomenergie für verantwortbar hält, der wird als unmoralisch, vorgestrig, unbelehrbar oder gleich als unchristlich beschimpft. Das ist nicht in Ordnung. Wie Befürworter der Atomenergie als Träger eines «falschen Bewusstseins» ausgegrenzt werden, erinnert an Denk- und Redeverbote, an Gesinnungslenkung. Es gibt auch Gründe für die Atomenergie. Jenseits der Allmacht des grünen Mainstream gibt es Tatsachen, die man auch als Gegner der Kernenergie respektieren muss.

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 5/2011.


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