|
Estland: Land ohne Glauben?
(12. September 2011/idea) – Estland gilt als das am wenigsten religiöse Land der Welt. Die britische Rundfunkanstalt BBC beruft sich auf eine Umfrage, wonach weniger als 20 Prozent der 1,3 Millionen Einwohner Religion für einen wichtigen Faktor ihres Lebens halten. Zum Vergleich: Etwa 70 Prozent der Deutschen stufen sich laut Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung als religiös ein.
Nach Angaben des BBC-Reporters Tom Esslemont gehen nur wenige Esten zum Gottesdienst. So habe er im lutherischen Dom zu Tallin etwa 70 Gottesdienstbesucher angetroffen; davon seien höchstens 15 Einheimische gewesen.
Laut Pfarrer Arho Tuhkru wollten die Esten traditionell wenig mit der Kirche zu tun haben. Gleichzeitig blühe jedoch das Heidentum auf. So leite Aigar Piho aus dem Dorf Rouge in Südestland eine Naturreligion namens Maausk. Dabei gehe es darum, eins mit der Natur zu werden. Piho bezeichne sich selbst als „Heiden“. Andere praktizierten eine Religion namens Maavalla Koda, die auf germanischen Runenkalendern basiere. Obwohl Religion für 80 Prozent der Esten keine lebenswichtige Bedeutung habe, glaube jeder zweite an eine undefinierte Geistes- oder Lebenskraft.
Nach Angaben des Gustav-Adolf-Werks, das evangelische Minderheitenkirchen in Europa, Lateinamerika und Nordasien unterstützt, ist Estland aufgrund der 50-jährigen sowjetischen Okkupation ein säkulares Land geworden.
Estland hat eine wechselhafte jüngere Geschichte. Bis 1918 gehörte es zum russischen Zarenreich; danach war es zunächst unabhängig. Nach dem Hitler-Stalin-Pakt wurde es 1940 von der Sowjetunion annektiert, dann von 1941 bis 1944 von der deutschen Wehrmacht besetzt. 1944 wurde das Land wieder in die Sowjetunion eingegliedert. Nach dem Niedergang der kommunistischen Herrschaft stellte Estland 1991 seine Souveränität wieder her.
Nach Angaben des Religionsstatistikers Patrick Johnstone sind heute etwa 54 Prozent der Bevölkerung nichtreligiös. Als Christen bezeichnen sich 45,3 Prozent. Den Rest bilden Gruppen von Juden, Muslimen, Buddhisten und anderen. Die größten Kirchen sind die russisch-orthodoxe (66.400 Mitglieder), die lutherische (46.000) und die estnisch-orthodoxe (12.500).
zurück
|
|
 |
© FACTUM ONLINE 2011 Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit
Genehmigung der Redaktion. |
 |
|
|
|
|
|
 |
 |