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Alle fünf Minuten ein Mord

(12. Oktober 2011/ fa.) - Der Antidiskriminierungsbeauftragte der OSZE, Massimo Introvigne, bezeichnet die Christenverfolgung als die schlimmste von allen Arten der Diskriminierung und Verfolgung.

Einer Studie der Universität Cambridge zufolge werden jährlich zwischen 130 000 und 170 000 Christen wegen ihres Glaubens ermordet. Zu diesen Zahlen kommen die  amerikanischen Soziologen Brian J. Grim und Roger Finke in ihrer Studie «The Price of Freedom Denied» (Cambridge University Press, Cambridge 2011). Eine andere Studie, die vom amerikanischen «Center for Study of Global Christianity» gemacht wurde und auf die sich Massimo Introvigne beruft, geht von mehr als 105 000 Menschen aus, die pro Jahr wegen ihres Bekenntnisses zum christlichen Glauben ermordet werden. Dieses Studienzentrum gibt den jährlichen «Atlas of Global Christianity» heraus, in dem Statistiken über Religionszugehörigkeit und die Situation religiöser Minderheiten dargestellt werden. Anders, als der Name des Jahrbuchs vermuten lässt, werden darin auch nicht-christliche Religionen erfasst.

David B. Barrett, der Leiter des Atlas of Global Christianity-Projekts, und sein Mitarbeiter Todd M. Johnson haben 2001 damit begonnen, Zahlen zur Christenverfolgung zu erheben. Entscheidend ist für sie, dass die Betreffenden wegen ihres Glaubens, also weil sie Christen waren, getötet worden sind – und nicht wegen eines Krieges oder eines Genozids, die vorwiegend politisch, ethnisch und nicht religiös motiviert waren. Die Soziologen kamen 2001 zu dem Schluss, dass in den vergangenen 2000 Jahren insgesamt 70 Millionen Christen wegen ihres Glaubens umgebracht wurden. Die Mehrheit von ihnen, 45 Millionen, starb im 20. Jahrhundert. Das 20. Jahrhundert kann man als ein Jahrhundert der Christenverfolgung bezeichnen (Sowjetunion, China, Nordkorea, islamische Länder). Die Studie «World Christian Trends AD 30–AD 2200» (William Carey Library, Pasadena 2001) gilt als bahnbrechend, weil erstmals versucht wurde, eine Chronologie der Christenverfolgung über die vergangenen 2000 Jahre zu erstellen.

In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts hat sich die Situation für die Christen weiter verschärft. Vom Jahr 2000 an stieg die Zahl der pro Jahr ermordeten Christen stark an. Im Jahr 2005 registrierten die Wissenschaftler, die den «Atlas of Global Christianity» erstellen, mit 160 000 Ermordeten einen düsteren Höhepunkt. 

Barrett und Johnson bezeichnen ihre Schätzung als «ausgesprochen zurückhaltend». Geht man von dieser Zahl aus, dann bedeutet dies, dass jeden Tag um die 288 Christen getötet werden. Alle fünf Minuten wird, statistisch betrachtet, irgendwo auf der Welt ein Mensch ermordet, weil er Christ ist. Massimo Introvigne bezeichnet die Christenverfolgung als «die schlimmste menschliche Tragödie unserer Zeit». Der Dialog der Kulturen könne zwar «wunderschöne Tagungen» hervorbringen. Wer dabei aber die Zahlen verschweige, der wolle «wahrscheinlich nichts gegen das Massaker unternehmen».

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