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Mit Café-Kirchen gegen den Abwärtstrend?

(14. Dezember 2011/idea) – Trotz sinkender Mitgliederzahlen verzeichnen die Gemeinden des britischen Baptistenbundes einen Anstieg bei Mitarbeitern und Gottesdienstbesuchern. Das erfuhr eine siebenköpfige Delegation des deutschen Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) bei einem fünftägigen Besuch im Großraum Manchester und Liverpool (Nordengland).

Wie Ian Bunce (Didcot) von der Missionsabteilung der britischen Baptisten den Besuchern berichtete, erlebe man vor allem unter Jugendlichen starken Zulauf. Daher unterstütze man die Gründung von Gemeinden für diese Zielgruppe, etwa in öffentlichen Cafés. Bewährt habe es sich auch, dass Pastoren in Dienstkleidung auf Einwohner von Problemvierteln zugingen, um mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Laut Bunce sind die Baptisten die einzige Konfession im Land, die bei den Besucherzahlen (derzeit 136.000) zulege. 

Beeindruckt zeigten sich die Deutschen von der Entwicklung der kleinen Chelwood Baptist Church im Süden von Manchester. Die 30 Mitglieder zählende Gemeinde drohte wegen Überalterung das Ende. Um das zu verhindern, beschlossen die Mitglieder, in ihrem verarmten Viertel ein Café zu eröffnen.

Als vor ihrem Gemeindehaus zwei Jugendliche mit einem gestohlenen Auto tödlich verunglückten, boten die Baptisten ihr Café als Ort für die Trauerfeier an. Seitdem sind sie in dem Viertel sehr bekannt. In den Jahren danach wuchs die Zahl der Gäste so kräftig, dass der Platz nicht mehr ausreichte. Deshalb wurde das Café verkauft und ein neues Projekt gestartet, die „Messy Church“.

In dieser „chaotischen Kirche“ darf sich jedermann spontan an der Gestaltung des Programms und des Gottesdienstes beteiligen. Bisher kämen vor allem Kinder und Jugendliche. Auch an anderen Orten hätten die Baptisten ähnliche Projekte begonnen..

Der Leiter der deutschen Delegation, Christoph Stiba (Elstal bei Berlin), Mitglied der Bundesgeschäftsführung, will einige Erfahrungen der Studienreise an die rund 800 deutschen Gemeinden weitergeben: „Wir wollen Gemeinden inspirieren, sich kreativ für die Menschen zu engagieren und sich dabei manches Unperfekte zu erlauben.“ Bei dem Besuch habe man erfahren, dass Gott Gemeinden auf diesem Weg segne.

Der britische Baptistenbund ist in den vergangenen zehn Jahren um rund 7,5 Prozent auf 133.000 Mitglieder geschrumpft. Die Zahl der Gemeinden ging in diesem Zeitraum um 100 auf etwa 2.000 zurück. In Deutschland hat der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden 82.600 Mitglieder. Er schrumpfte in den vergangenen zehn Jahren um 4,8 Prozent.

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