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Games stumpfen ab

(19. Dezember 2011/rh.) – Andere Hirnaktivität bei «Ego-Shootern».

Führt ausgiebiger Kampf auf dem Bildschirm auch im realen Leben zu aggressivem Verhalten? Bonner Wissenschaftler haben bei intensiven Nutzern im Unterschied zu Nichtspielern abweichende Gehirnaktivitätsmuster festgestellt. Untersucht wurde die Wirkung von Ballerspielbildern und anderen emotional aufgeladenen Fotos. Die 21 Probanden im Alter von 20 bis 30 Jahren spielten im Schnitt etwa 15 Stunden Ego-Shooter pro Woche. Während der Untersuchung bekamen sie über eine Videobrille einen standardisierten Katalog von Fotos zu sehen, die Emotionen im menschlichen Gehirn auslösen. Dabei registrierten die Wissenschaftler die Gehirn-Aktivitäten. Unter den Bildern waren sowohl Fotos, wie sie in Gewalt-Spielen vorkommen, als auch Aufnahmen von Unfall- und Katastrophenopfern. «Mit dieser Mischung hatten wir die Möglichkeit, die Testpersonen zum einen in die ihnen bekannte fiktive Ego-Shooter-Welt zu versetzen, und zum anderen Emotionen durch reales Bildmaterial auszulösen», erklärt Dr. Christian Montag (Institut für Psychologie, Universität Bonn). Denselben Fotokatalog bekamen auch die 19 Kontrollpersonen zu sehen, die keine Erfahrung mit Gewalt-Videospielen hatten.

Betrachteten die Probanden die realen, negativen Bilder, zeigte sich eine stark erhöhte Aktivität der Mandelkerne (Amygdala). Diese Hirnregion ist ausgeprägt an der Verarbeitung negativer Emotionen beteiligt. Überraschenderweise war die Amygdala bei den Probanden und der Kontrollgruppe ähnlich erregt. Psychologe Montag: «Das zeigt, dass beide Gruppen emotional ähnlich stark auf die Fotos reagierten.» Der linke mediale Frontallappen war bei den Gewaltspielnutzern deutlich geringer aktiviert als bei den Kontrollpersonen. Mit dieser Gehirnstruktur hält der Mensch etwa Angst oder Aggression in Schach. «Ego-Shooter reagieren nicht so stark auf das reale, negative Bildmaterial, weil sie durch ihre täglichen Computeraktivitäten daran gewöhnt sind», folgert Christian Montag. «Man könnte auch sagen, dass sie abgestumpfter sind als die Kontrollgruppe.» Es kommt aber nicht nur während des Computerspielens zur Abstumpfung. Die geringere Emotionsregulierung bei Ego-Shootern wurde auch beim realen Bildmaterial festgestellt. Es gebe bislang viele Studien zu Videospielen und aggressivem Verhalten – aber erstaunlich wenige zu den Effekten auf das Gehirn. Dr. Montag: «Unsere Ergebnisse liefern Anhaltspunkte, dass die extensive Nutzung von Ego-Shootern nicht unproblematisch ist.»

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