Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Streit um Weihnachten

(19. Dezember 2011/as.) – Geboren von der Jungfrau Maria? Theologen rütteln an einem Grundpfeiler des christlichen Glaubens. Die Diskussion um Jesaja 7,14 und Matthäus 1,23 hat dogmatische Brisanz.

Auf Wunsch des Rates der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) soll bis 2015 – dem nächsten «Jahr der Bibel» – eine überarbeitete Luther-Übersetzung vorliegen. Dabei sollen Textkorrekturen dort vorgenommen werden, «wo sie zwingend notwendig» seien, und zwar aus exegetischen oder textkritischen Gründen.1 Eine der Stellen, die auf dem Prüfstand stehen, ist die bekannte Prophezeiung aus Jesaja 7,14. In der neu durchgesehenen Lutherbibel soll sie wie folgt heissen: «Darum so wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine junge Frau [statt wie bisher: Jungfrau] ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie heissen Immanuel.»

Dahinter steht die Meinung, dass Jesaja 7,14 eine «junge Frau» im gebärfähigen Alter beschreibe und nicht eine sexuell unberührte Frau. Die «junge Frau» sei erst in der vorchristlichen griechischen Übersetzung (der Septuaginta, ca. 3. bis 2. Jh. v. Chr.) bewusst theologisch neu gedeutet worden. Damals sei aus der «jungen Frau» eine «Jungfrau» geworden und man habe diesen Text als prophetische Weissagung auf den kommenden Messias hin gedeutet. Deshalb sei Jesaja 7,14 im Matthäusevangelium als Hinweis auf Jesus, «geboren von einer Jungfrau», verstanden worden.

In der kirchlichen Verlautbarung «Die beste Bibel aller Zeiten» liest sich das so:

 «Das im hebräischen Urtext zugrunde liegende Wort ‹almah› meint nämlich nicht eine sexuell unberührte Frau (so, wie es die Mehrheit der heutigen Leser versteht), sondern lediglich eine junge Frau im gebärfähigen Alter. Erst die griechische Übersetzung machte aus der ‹almah› eine ‹parthenos› – was neben ‹junger Frau› eben auch ‹Jungfrau› bedeuten kann. Dass der Evangelist Matthäus die Stelle Jesaja 7,14 nach der griechischen Übersetzung zitiert (‹Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären […]›, Matthäus 1,23), verleiht ihr aber höchste dogmatische Brisanz.»

Professor Matthias Konradt (Uni Heidelberg) – er ist unter anderem ­zuständig für die Durchsicht des Matthäusevangeliums – hofft, dass «nach der Durchsicht der Lutherbibel in Jesaja 7,14 nicht mehr fälschlich von einer Jungfrau die Rede ist». Dies würde bedeuten, dass Matthäus 1,23 für unsere moderne Zeit gedeutet und das bekannte Matthäuszitat lediglich als theologische Deutung der damaligen Zeit verstanden wird. Der uralten Interpretation des Evangelienschreibers will man sich nicht mehr anschliessen. Selbst wenn in der Lu­therbibel bei Matthäus weiterhin «Jungfrau» steht, deutet und versteht die historisch-kritische Bibelauslegung diese Stelle so: «Siehe, eine junge Frau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden seinen Namen Immanuel heissen.»

Neu ist diese Argumentation nicht. Seit über 300 Jahren rütteln bibelkritische Theologen an Jesaja 7,14 – die messianische Prophetie soll fallen.

Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 09/2011.


zurück

Das aktuelle Heft:
factum 3/2012


factum 3/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben