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Nigeria: Weit über 100 Tote nach Anschlagsserie
(23. Januar 2011/idea) – Mindestens 120 Todesopfer (andere nennen eine Zahl von 170) hat eine Anschlagsserie in der Stadt Kano im Norden Nigerias gefordert. Mindestens elf weitere Menschen kamen bei Anschlägen in der Stadt Bauchi ums Leben, wo auch zwei Kirchen angegriffen wurden.
Die radikalislamische Sekte „Boko Haram“ bekannte sich zu den Anschlägen und bezeichnete sie als "Vergeltungsmassnahmen” nach jüngsten Verhaftungen von Mitgliedern der Terror-Organisation.
Die auch als „Taliban Nigerias“ bezeichnete Bewegung will einen islamischen Gottesstaat errichten. Ziel der Anschläge am 20. Januar in Kano waren fünf Polizeigebäude, zwei Einwanderungsbüros und der örtliche Sitz der Geheimpolizei.
Medienberichten zufolge steuerte unter anderem ein Selbstmordattentäter sein Auto auf das Gelände des regionalen Polizeihauptquartiers und zündete seinen Sprengsatz. Ein anderer Attentäter fuhr mit einem Motorrad vor eine Polizeistation und rannte dann mit einer Tasche in das Gebäude. Kurz darauf sei es zur Explosion gekommen, erzählten Augenzeugen. Die Behörden hatten daraufhin ein 24-stündiges Ausgehverbot über die Millionenstadt verhängt.
Bereits in den vergangenen Wochen waren in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas bei Anschlägen zahlreiche Menschen getötet worden. Die meisten Angriffe richteten sich gegen Christen im Norden Nigerias. Dieser Landesteil wird mehrheitlich von Muslimen bewohnt, während im Süden die Christen in der Mehrheit sind.
Vor drei Wochen hatten die Islamisten den Christen im Norden Nigerias ein Ultimatum gestellt, die Region innerhalb von drei Tagen zu verlassen. Mindestens 10.000 Christen waren daraufhin nach Angaben des Roten Kreuzes aus dem Norden geflohen. Inzwischen halten viele Nigerianer sogar eine Spaltung des Landes für möglich. Von den 150 Millionen Einwohnern Nigerias sind knapp 49 Prozent Christen, 45 Prozent Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen.
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