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Wie sollen Christen mit Atheismus umgehen?
(28. Januar 2011/idea) – Atheisten melden sich zunehmend mit polemischer Religions- und Kirchenkritik zu Wort. Obwohl ihre Gruppen vergleichsweise klein sind, gelingt es ihnen, sich über die Medien Gehör zu verschaffen. Atheistische Angebote wie Jugendweihe, Lebenskundeunterricht und Kindertagesstätten konkurrieren mit denen der Kirche. Wie sollen Christen mit dieser Entwicklung umgehen und wie kann man mit Atheisten ins Gespräch kommen?
Über solche Fragen gibt eine neue Studie der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW) in Berlin Auskunft. Sie trägt den Titel „Dialog und Auseinandersetzung mit Atheisten und Humanisten“. Den Autoren zufolge ist der Atheismus „der nachgeborene Stiefbruder des Gottesglaubens. Er lebt vom Protest, vom Widerspruch, vom Bekenntnis zum Nichtglauben, vom Anti-Credo: ‚Der Herr ist kein Hirte’. ‚Niemand hat die Welt geschaffen.’ ‚Es gibt kein Leben nach dem Tod.’“ Allerdings gebe es eine Vielzahl von „Atheismen“, die sich häufig gegenseitig widersprächen.
So stosse das von der atheistischen Giordano-Bruno-Stiftung herausgegebene „Manifest des evolutionären Humanismus“ bei anderen Atheisten auf scharfe Kritik. Das Manifest wendet sich gegen eine grundlegende Unterscheidung von Mensch und Tier, lehnt eine Unterscheidung zwischen „gut“ und „böse“ ab und bestreitet die Möglichkeit des Schuldigwerdens. Religiöses Bewusstsein führt das Manifest auf „Überaktivitäten im Schläfenlappen“ zurück. Der EZW-Studie zufolge bezeichnen atheistische Kritiker solche Äusserungen als „Krawallatheismus“ und bemängeln, dass man „weltliche Seelsorge“ und „praktischen Humanismus“ vernachlässige. Ein Atheismus, der sich nur auf Religionskritik beschränke, sei ungenügend.
In der Studie wird bezweifelt, dass atheistische Verbände für weite Teile der Bevölkerung sprechen können. Zwar beanspruche der Zusammenschluss von elf Organisationen, der „Koordinierungsrat säkularer Organisationen“, die Interessen von mehr als einem Drittel der Deutschen zu vertreten, die keiner Konfession angehören, doch müsse dieser Anspruch zurückgewiesen werden. So teilten laut einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (Allensbach am Bodensee) lediglich sieben Prozent der Bevölkerung die Ansichten etwa des Humanistischen Verbandes Deutschlands (HVD). Dieser hat derzeit etwa 10.000 Mitglieder. Es sei fraglich, ob er eine grössere Zahl von Mitgliedern hinzugewinnen könne, so die EZW. Dennoch komme dem HVD kultur- und rechtspolitische Bedeutung zu.
Grosse Chancen habe er beispielsweise beim Ausbau seines Dienstleistungsangebotes, etwa von Kindertagesstätten, dem Lebenskundeunterricht an Schulen sowie der „Jugendfeier“ als Alternative zur Konfirmation. Für „politisch mehrheitsfähig“ hält die Studie die Forderung des HVD, Religion als ordentliches Schulfach zugunsten des Faches „Ethik“ abzuschaffen bzw. in ein frei zu wählendes Fach umzuwidmen. Dem stünden zwar geltende Verträge entgegen, doch justiere sich das Verhältnis von Staat und Kirche derzeit neu.
Im Gespräch mit Atheisten sollte ihnen mit Respekt begegnet und das Recht auf eine eigene Weltanschauung zugestanden werden. Wörtlich heisst es: „Atheisten und Konfessionslose sollten von Christen weder als Bedrohung für ihren Glauben angesehen noch als Menschen mit einem Mangel an religiöser Begabung deklassiert werden. Vielmehr ist immer wieder nachzufragen, woran der glaubt, der nicht glaubt, wie er in seinem Leben Sinnfragen beantwortet, ethische Entscheidungen begründet und Lebenskrisen bewältigt.“ Christen sollten nicht als Besserwisser auftreten, wohl aber deutlich machen, dass für sie selbst der christliche Glaube der beste Weg sei, Orientierung, Sinn und Trost zu finden.
Die Studie rät Christen ferner, offen für Kritik an den Schattenseiten der eigenen Tradition und gegenüber Fehlformen des Glaubens zu sein.
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