Der „Beijn-hametzarim-Krieg“ und ein Jesaja-Wort
(09. August 2006/rh.) - Die Hisbollah begann ihre kriegsauslösende Attacke gegen Israel am Vortag eines für die Juden symbolträchtigen, mit schmerzhaften Erinnerungen behafteten Fastentags. Der 12. Juli 2006, respektive der 16. Tammus 5766, leitete in Israel die traditionellen drei Fastenwochen ein, diesmal waren sie von Kriegsgeschrei begleitet.
Am 12. Juli 2006 entführten die im Libanon ansässigen militanten Islamisten der Hisbollah-Bewegung zwei israelische Soldaten. Bei einem Überfall auf einen israelischen Kommandoposten starben acht Soldaten. Gleichzeitig zündete die Hisbollah eine ganze Zahl von Katjuscha-Raketen, die auf Ortschafen in Nord-Israel gerichtet waren. Israel reagierte mit heftigen Luftangriffen. Das war der Beginn des laufenden Libanon-Krieges.
Der 12. Juli 2006 war nach jüdischem Kalender der 16. Tammus 5766, ein Tag von besonderer Bedeutung. Der 17. Tammus leitet nämlich die Zeit des Beijn hametzarim ein, es sind drei Wochen der Erinnerung an den Fall der Tempelmauer und an Bedrängnis, Not und Trauer. Sie enden mit dem 9. Av (tischa be’av), einem grossen Fasten- und Trauertag zum Gedenken an die Zerstörung des ersten und des zweiten Jerusalemer Tempels.
In der Bibel ist der Fasttag am 17. Tammus in Sacharja 8,19 begründet: "So spricht der Herr der Heerscharen: Das Fasten des vierten und das Fasten des fünften und das Fasten des siebten und das Fasten des zehnten Monats wird dem Haus Juda zur Wonne und zur Freude und zu fröhlichen Festzeiten werden. Doch die Wahrheit und den Frieden liebt!"
Noch sind die Zeiten ganz anders, als dass die Fastenzeiten "dem Haus Juda zur Wonne und zur Freude und zu fröhlichen Festzeiten werden". Diese Verheissung gilt für eine zukünftige Zeit.
Der 17. Tammus gilt im Judentum seit jeher als Tag des Schreckens. Nach jüdischer Überlieferung hat Moses am 17. Tammus die Gesetzestafeln zerschmettert und haben Nebukadnezar und später der römische Kaiser Titus die Mauern von Jerusalem durchbrochen. Kaiser Hadrian soll an diesem Tag einen heidnischen Tempel auf dem Tempelberg eingeweiht haben, während der Kreuzzüge sollen sich an einem 17. Tammus Massaker an Juden ereignet haben, während die Vertreibung der spanischen Juden 1492 an einem 17. begann. Die Deportation der Warschauer Juden ins Todeslager Treblinka begann am 9. Av 1942.
Weil der aktuelle Libanon-Krieg am Vortag des 17. Tammus 2006 begann, spricht man in Israel bereits vom „Bejn-hametzarim-Krieg“. Das zuvor politisch gänzlich zerstrittene Volk einte sich nach dem Hisbollah-Angriff sofort. Warum? Was vielen in Europa nicht klar ist, stand in Israel vom ersten Tag an fest: Es geht für den jüdischen Staat um alles oder nichts, um Sein oder Nichtsein. Tage der Bedrängnis, der Not und Trauer begannen. In diesem Jahr nicht nur mit der Erinnerung an Vergangenes, sondern hautnah, in Echtzeit.
Aussagen des israelischen Premierministers Olmert, der nach der ersten Kriegswoche das Ende des Konflikts in „zehn bis 14 Tagen“ vorhersagte, lassen darauf schliessen, dass auch er sich – wie viele seiner Landsleute – von der Hoffnung leiten liess, dass bis zum Ende der Trauerzeit am 9. Av (tischa be’av) eine Lösung für Krieg gefunden worden sei.
Doch der 9. Av, beziehungsweise der 3. August, war ein besonders verlustreicher, blutiger Tag für Israel, das zwölf Tote und viele Verwundete beklagte, während die Regierung die Einberufung von 10000 zusätzlich Reservisten anordnete. Damit war den Israelis klar: Der Weg des schmerzhaften Kampfes geht weiter. Am 5. August stand auf dem Leseplan in den Synagogen das bekannte Jesaja-Wort: „Tröstet, tröstet mein Volk.“ (Jes. 40,1).
Der Prophetentext lautet weiter: "Redet zum Herzen Jerusalems und ruft ihr zu, dass ihr Frondienst vollendet, dass ihre Schuld abgetragen ist; denn sie hat von der Hand des Herrn Zweifaches empfangen für alle ihre Sünden." (V.2) Hier wird dem nach Babylon verbannten Volk Juda eine segensreiche Zukunft nach dem Gericht Gottes verheissen.
Brisant wird es in den Versen 3 bis 5. Israel wird aufgefordert, sich auf die Offenbarung des Messias vorzubereiten: "Eine Stimme ruft: In der Wüste bereitet den Weg des Herrn, ebnet in der Steppe eine Strasse unserem Gott! Jedes Tal soll erhöht und jeder Berg und Hügel erniedrigt werden; was uneben ist, soll gerade werden, und was hügelig ist, zur Ebene! Und die Herrlichkeit des Herrn wird sich offenbaren, und alles Fleisch miteinander wird sie sehen; denn der Mund des Herrn hat es geredet."
Johannes der Täufer war ein solcher Rufer in der Wüste (vgl. Matth. 3,3; Mk. 1,3; Luk. 3,4 bis 6; Joh. 1,23).
Hindernisse auf dem Weg des kommenden Messias werden entfernt, indem Juden wie Heiden ihre Schuld gegenüber Gott mit Reue bekennen.
Jesus Christus, der Messias, wird zurückkommen. In seinem Reich wird Jerusalems Elend ein Ende haben, indem es von der Herrlichkeit des Herrn überstrahlt werden wird.
Die Kriegsbilder aus dem Nahen Osten, indem israel gegen einen unsichtbaren Feind kämpft, sind eine Mahnung, uns die biblische Prophetie neu bewusst zu machen.
Der jüdische Kalender im Vergleich
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