Basel nach und vor dem Beben
(30. September 2006/tl.) - Das schwerste Erdbeben, das sich in historischer Zeit nördlich der Alpen ereignet hat, legte die Stadt Basel am 18. Oktober 1356, also vor genau 650 Jahren, in Schutt und Asche.
Sieben Jahre vor der Erdbebenkatastrophe hatte ein vom Adel aufgehetzter Mob in einem Judenpogrom Hunderte Menschen ermordet.
In unserer Zeit, die mit immer drastischeren Naturkatastrophen und einer ganz neuen Dimension des Terrorismus und des Antisemitismus viele Menschen verunsichert, erhält das historische Basler Geschehen denkwürdige Aktualität. Zumal Naturwissenschaftler vor einem erneuten schweren Beben am Oberrhein warnen. In Basel übernehmen Christen Verantwortung und werden aktiv.
Als das neue Jahrtausend mit knallenden Sektkorken empfangen wurde, meinte manch einer, jetzt beginne eine neue Zeit, eine bessere. Man könne die Schrecken des 20. Jahrhunderts abschütteln und die Probleme der Menschheit mit etwas gutem Willen, Geld, Technologie und, notfalls, militärischer Gewalt lösen. Rückblickend erkennen wir, dass das neue Jahrtausend nicht am 1. Januar begann, sondern am 11. September 2001.
Seit dem Fall der Türme des World Trade Centers hat sich ein beispielloser Bewusstseinswandel ereignet. Heute, im Zeitalter des Klimawandels und seiner zum Teil katastrophalen Folgen und des weltweit ausgerufenen Dschihad, glaubt kaum noch jemand, dass die Menschheit über die Lösung ihrer Probleme verfügt. Im Gegenteil: Der Gedanke, dass nicht nur der Einzelne, sondern auch mächtige Regierungen den Herausforderungen hilflos gegenüberstehen, ist längst Allgemeingut geworden.
Sozialwissenschaftler konstatieren weltweit eine tiefe Verunsicherung, oft auch Angst vor der Zukunft. Viele Christen fühlen sich an das Wort in der Bibel (Lukas 21,26) erinnert, wo von einer Zeit die Rede ist, in der die Menschen «verschmachten werden vor Furcht und Erwartung der Dinge, die über den Erdkreis kommen werden». Sie sehen die globale Entwicklung im Zusammenhang mit dem prophetischen Wort der Bibel.
Diese Sicht der Dinge hält einer kritischen Prüfung stand. Aber es ist grosse Sorgfalt, Zurückhaltung und – um ein altes biblisches Wort zu verwenden – Demut notwendig, wenn es darum geht, das Weltgeschehen biblisch zu interpretieren. Wir sollen uns nicht für allzu weise halten, warnt die Bibel (Pred. 7,16). Das biblische Wort soll Segen stiften und nicht Verwirrung verursachen.
Wie können Christen auf diese globalen Erschütterungen reagieren? Das individuelle geistliche Leben scheint heute in einer Weise mit dem weltweiten Geschehen verflochten, wie dies in früheren Zeiten nicht erlebt werden konnte. Es geht heute darum, das eigene Leben als Christ, das Geschehen im eigenen Umfeld (der Gemeinde, der Stadt, des Landes) und das weltweite Geschehen im biblischen Licht, im biblischen Zusammenhang, zu sehen und daraus die Konsequenzen zu ziehen. Das ist die Herausforderung, vor der Christen heute stehen.
In Basel ist, ganz in diesem Sinne, einiges in Bewegung geraten. Christen stellen sich der Geschichte ihrer Stadt, erkennen Gefährdungen und verstehen diese als Herausforderung zum Handeln. Sie haben einiges auf den Weg gebracht.
Lesen Sie dazu den ausführlichen und reich illustrierten Report in der Ausgabe 7/2006 des Magazins FACTUM.
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