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„Jesus-Grab“: „Fragwürdige Kombination“
(01. März 2007/rh.) – Professor Wolfgang Zwickel (Universität Mainz) reagiert in einer Stellungnahme auf die Meldung des vermeintlich entdeckten „Jesus-Grabes“: Einige archäologische Sachverhalte würden „in einer höchst fragwürdigen Art“ kombiniert.
Das Institut der Evangelisch-Theologischen Fakultät an der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz besitzt die wohl grösste europäische Sammlung von Grabkisten, sogenannten Ossuaren aus Israel. Sie wurden von einem privaten Sammler vor wenigen Jahren aus Mitteln der Kulturstiftung des Landes Rheinland-Pfalz erworben. Ein sehr schönes Exemplar ist derzeit in Frankfurt im Bibelhaus Erlebnismuseum, Metzlerstrasse 19, im Rahmen der Ausstellung „Alles echt“ zu sehen. Die sechs anderen sind auf dem Gelände der Uni Mainz ausgestellt.
Leiter des Seminars für Altes Testament und Biblische Archäologie ist Prof. Dr. Wolfgang Zwickel. In einer Stellungnahme reagiert der Experte nun auf die These eines neu entdeckten „Jesus-Grabes“, wie sie mit einem Film des kanadischen Dokumentarfilmers Simcha Jacobovici (in Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Regisseur James Cameron) verbreitet wird. Der Film geht zurück auf ein Buch des amerikanischen Theologen und Archäologen James Tabor, das letzten Herbst in deutscher Übersetzung erschienen ist.
Gemäss Prof. Zwickel würden sowohl der Buchautor also auch die Filmemachter einige archäologische Sachverhalte in einer höchst fragwürdigen Art kombinieren. Wegen der grossen öffentlichen Aufmerksamkeit, aber auch wegen der besonderen Bedeutung des Fundes, wolle er aus rein archäologischer Sicht Stellung nehmen.
Archäologische Sachverhalte würden immer einer Interpretation bedürfen, die sich an wissenschaftlichen Standards orientieren sollte. Zwickel: „Leider neigen gerade Funde aus Israel dazu, gerne für religiöse oder anti-religiöse Propaganda missbraucht zu werden. Seriöse wissenschaftliche Arbeit tritt hier leider gerne in den Hintergrund, um öffentliche Aufmerksamkeit zu erregen.“
Ossuaren-Experte Zwickel rückt in seiner Stellungnahme in elf Punkten die Darstellung von Tabor, Jacobovici und Cameron ins rechte Licht. Unter anderem betont er, dass es eine „sehr alte und recht zuverlässige Tradition“ gebe, wo sich das Grab Jesu in Jerusalem befinde: „Nämlich im Bereich der heutigen Grabeskirche. Diese Tradition ist umso glaubwürdiger, als schon wenige Jahre nach dem Tod Jesu der Bereich der späteren Grabeskirche, der sich zum Todeszeitpunkt Jesu noch ausserhalb der Stadt befand, in die nun erweiterte Stadt integriert wurde.“ Obwohl die biblischen Texte mit ihrer Angabe, Jesus wäre ausserhalb der Stadt bestattet worden, nun nicht mehr den realen Verhältnissen entsprachen, habe sich die Ortslagentradition erhalten. Dies lasse auf „eine gute und solide historische Grundlage schliessen“, schreibt Professor Zwickel, „zumal im Umfeld des traditionellen Grabes Jesu auch weitere Gräber aus neutestamentlicher Zeit nachgewiesen sind.“ In seinem Fazit stellt der Experte für biblische Archäologe fest, dass die Fachdiskussion der letzten Tage keinen einzigen wissenschaftlich führenden Gelehrten hervorgebracht habe, der die Thesen von Prof. Tabor stützen würde. Zwickel wörtlich: „Es ist in meinen Augen bedauerlich, wenn man inzwischen auf diese Art und Weise versuchen muss, Geld für wissenschaftliche Tätigkeiten im Bereich der Archäologie zu finden.“ Viel wünschenswerter wäre es, wenn entsprechende Gelder in eine adäquate Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses und in eine gründliche Grabungstätigkeit gesteckt würden. Die Biblische Archäologie leide weltweit unter Geldmangel.
Gelder von privaten Sponsoren seien offenbar in Amerika „nur noch auf solchem Wege zu erhalten“, meint Zwickel mit Blick auf die Jesus-Grab-These. Damit würden die angeblichen Wissenschaftler aber dem gesamten Fach schaden und „zuletzt trotz anfänglicher Geldquellen auch sich selbst“.
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