DJ BoBo verteidigt seinen Vampir-Song
(13. März 2007/fa.) – Mit dem Song „Vampires are Alive“ wird DJ BoBo am European Song Contest teilnehmen. Gegen das Lied läuft eine Unterschriftensammlung. Die Schweiz soll nicht mit einem okkulten Text vertreten werden.
DJ BoBo bereiste in den letzten Tagen als Botschafter des Uno-Welternährungsprogramms Äthiopien. Tief beeindruckt vom dort Erlebten, notierte er am 8. März in ein Webtagebuch: „Ich bin hundemüde, so sehr haben mich die Eindrücke der letzen Tage erschöpft. Oft lag ich Nachts wach, versuchte das Gesehene zu verarbeiten, und mir einen Sinn daraus zu machen. Doch die Zufriedenheit ist stärker als die Müdigkeit. Das, wofür ich mich einsetzen will, habe ich jetzt mit eigenen Augen gesehen.“ Ein guter Vorsatz. Kaum zurück in der Schweiz, stand DJ BoBo in der TV-Show „Benissimo“ auf der Bühne und sang: „Vampires are Alive!“ Damit fiel er vom Regen in die Traufe.
Was er ihn Afrika nicht mitbekommen hatte: Nachdem die Schweizerische Evangelische Allianz mit einer Protestnote gegen sein Eurovisions-Lied „Vampires are Alive“ das Thema des okkulten Textes öffentlich machte und ihn als „verantwortungslos“ bezeichnete, doppelte die Eidgenössisch-Demokratische Union mit der Lancierung einer Petition an den Bundesrat nach. Mit seinem Beitrag verniedliche DJ BoBo Hölle und Teufel, schreibt die EDU und verweist auf den Liedtext: „Vampire, werdet lebendig... Ich bin ein Vampir, ich bin ein Sklave... Die Hölle ist mein Grab... in der Dunkelheit, in den Schatten – hier bin ich... Wie ein nie endender Albtraum lass mich deine Welt verändern! Befrei deinen Geist nach Mitternacht, verkauf deine Seele! Vom Himmel zur Hölle geniess die Fahrt... Du bist hier um mit deinem Leben zu kapitulieren!“
Bei solchen Texten höre der „Spass“ auf, meint die EDU. Zu viel stehe im Zusammenhang mit okkulten Praktiken auf dem Spiel: „Wer dem Teufel die Seele verkauft, verspielt sein ewiges Leben. Satan ist bittere Realität.“
Der im Oktober 2006 zum Uno-Welthungerbotschafter ernannte DJ BoBo, alias René Baumann, hatte kurz zuvor aufgerufen, das Hungerproblem ernster zu nehmen, jetzt muss er sich für seinen Vampir-Song rechtfertigen. Im Gästebuch seiner Webseite beschwichtigt sein Team aufgeschreckte Fans: „Wir kreiren Shows und Fantasiewelten. Für uns ist das ein grandioses Bühnenthema.“
Dann wird die EDU-Übersetzung korrigiert. Richtig heisse der Text der Autoren Baumann und Breitung: „Heut Nacht ist die Nacht, lebe tausend Jahre lang. Hab keine Angst, ertrinke nicht in Tränen. Befreie deinen Geist nach Mitternacht. Verkauf deine Seele. Vom Himmel zur Hölle, geniesse die Fahrt. Du bist hier um Dich zu ergeben, mit deinem Leben. Wertvolle Opfer, meine Begierde. Lebe ewiglich.“ Entscheidend anders ist das allerdings nicht.
Das Vampir-Thema wird von DJ BoBo als Märchen heruntergespielt: „Bei den Vampiren handelt es sich um Figuren aus der Welt der Mythen und Fabeln, die gerade in der Literatur und im Film immer wieder grosse Beachtung finden.“ Man habe sich habe sich „auf eine spielerische Art und Weise der Vampire angenommen“. So werde eine riesige Vampir-Party das Thema der nächsten DJ BoBo Tournee sein. Dann wird das Liedthema genauer erklärt: „Im Text des Liedes ‚Vampires Are Alive’ schlüpft DJ BoBo in die Haut eines ‚Vampirs, welcher auf ‚zynische’ Art und Weise versucht, eine Frau für das Leben in angeblich ewiger Jugend zu begeistern.“ Eine solches Thema stehe im Rahmen der künstlerischen Freiheit. Dann schlägt das DJ-BoBo-Team zurück: „Würde man die überhöhten Texte von Fabeln eins zu eins übernehmen, müsste man den Grossteil der Märchen aber auch die Filme und Bücher zu diesem Thema schlichtweg verbieten.“ Es sei „zu einfach“ den zweiten Teil des zweiten Verses aus dem Zusammenhang zu reissen. Der Song beschäftige sich mit dem „irrealen Mythos der Vampire“.
Der Schreiber, der im Dienste von DJ BoBo das Gästebuch des Popstars überwacht, erweist sich auch sonst nicht als kritikfähig. Einen Hinweis von Katrin auf mögliche Misstöne zwischen DJ BoBo und dem von Rückenschmerzen geplagten Musiker Dani, beantwortet er überaus unwirsch: „...Was fällt dir ein unsere Antwort in Zweifel zu ziehen! Du kannst Dani ja jeden Abend den Rücken (die Bandscheibe) massieren, dann kommt er bestimmt auch gerne überall hin... Falls du weitere Fragen hast, ändere bitte deinen Ton.“ Bei DJ BoBo ist die Stimmung gereizt. Schon beschweren sich Gästebuch-Eintrager, man habe ihre Notizen gelöscht.
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