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Viele Tote bei Bombenanschlägen in Algier

(11. April 2007/fa.) - Anschläge auf den Regierungssitz und das Polizeikommissariat in der Nähe des Flughafens von Algier forderten über 80 Verletzte und bislang 17 Tote. Ein verdrängter Konflikt bricht wieder aus.

Vor dem Regierungspalast explodierte eine Autobombe. Dabei starben neun Menschen, 32 wurden verletzt. Bei dem Bombenanschlag auf ein Polizeikommissariat in der Nähe des Flughafens im Osten von Algier wurden acht Menschen getötet und 50 verletzt. In dem dortigen Wohngebiet Bab Ezzouar befindet sich unter anderem die Universität für Wissenschaft und Technologie.

Nach Medienberichten waren am Montag bei Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Extremisten neun Soldaten und mindestens vier Islamisten getötet worden. In den vergangenen Tagen war es westlich von Algier wiederholt zu Gefechten zwischen Islamisten und Regierungstruppen gekommen.

Zum geschichtlichen Hintergrund: Um einen Erdrutschsieg der Islamisten-Partei FIS ("Islamische Heilsfront") bei den Wahlen in Algerien zu verhindern, hatte das Militär des nordafrikanischen Staates den Urnengang Ende 1991 abgebrochen, den Ausnahmezustand verhängt und die islamistische Partei verboten. Dies führte zu einem Bürgerkrieg mit mehr als 200.000 Toten. Tausende FIS-Anhänger waren verhaftet und in Lagern interniert worden.

In einem Referendum im Jahr 2005 hatte die algerische Bevölkerung mit überwältigender Mehrheit einen Plan von Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika zur nationalen Versöhnung gebilligt. Bouteflika versprach, als Symbol für das „neue Algerien“ die grösste Moschee der Welt zu bauen. Das "Monument des unabhängigen Algeriens" soll in der Bucht von Algier entstehen, und zwar mit einem 300 Meter hohen Minarett, das höchste der Welt. 120.000 Menschen werden in der neuen Grossen Moschee von Algier gleichzeitig beten können. 40.000 im Gebetsraum und 120.000 auf dem Platz davor. Mit dem Bau soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Als Kosten für den Bau werden umgerechnet 1,7 Milliarden Euro veranschlagt. Mit den An- und Abfahrtswegen sowie umliegenden Plätzen steigt die Summe auf mehr als sechs Milliarden an.

Die neue Moschee werde "das Monument des unabhängigen Algeriens" sein, heisst es aus Regierungskreisen. Bisher stand ein Denkmal mit einem Kultur- und Einkaufszentrum, sowie einem Museum über den Unabhängigkeitskrieg auf einem Hügel über der Stadt für das neue Algerien.

Mit der Moschee will Präsident Bouteflika einen Schlussstrich unter den Bürgerkrieg mit den Islamisten ziehen. Die gigantische Moschee soll bekräftigen, dass Algerien fest zum Islam steht. Die aktuellen Bombenanschläge lassen befürchten, dass sich die Islamisten nicht mit einem Symbolbau begnügen wollen.

Quelle: Der Standard

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