Pädagogik von gestern für morgen
(20. April 2007/mko.) - August Hermann Franckes Pädagogik als Herausforderung und Modell für christliche Privatschulen zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Zweifellos sind die Bekenntnisschulen eine der diakonisch und evangelistisch wirkungskräftigsten Aktivitäten evangelikaler Christen innerhalb der letzten Jahrzehnte. Kinder werden mit einer bewusst christlichen Prägung auf ihre Verantwortung in Familie, Gemeinde, Beruf und Gesellschaft vorbereitet. Menschen aus fremden Kulturen wird geholfen, sich in der deutschen Gesellschaft zurechtzufinden. Säkular geprägten Kindern wird der christliche Glaube auf eine natürliche und glaubwürdige Weise nahe gebracht. Mit Lehrinhalten, Seminaren und Diskussionen haben christliche Schulen einen positiven Einfluss auf die öffentliche Meinung.
Dabei kann es allerdings nicht nur darum gehen, christliche Schulen zu gründen. Auch wenn es viel Arbeit bedeutet, müssen christliche Pädagogen lernen, über die an der Universität vermittelten Denkmuster hinauszugehen, um das säkulare Menschen- und Weltbild, die säkularen Erziehungsziele und -methoden kritisch zu hinterfragen und zu überprüfen. Nur so kann eine echte Alternative zum momentanen Schulsystem entstehen, welche Kinder fördert, selbstbewusst und ideologiekritisch dem jeweils herrschenden Zeitgeist gegenüberzustehen.
Dabei darf sicher nicht die Illusion entstehen, Christen lebten in einem von ihrer Umwelt losgelösten Raum, jenseits aller Beeinflussung. Sicher brauchen nicht alle Methoden und Formen über Bord geworfen zu werden, sie sollten aber einer ernsthaften Überprüfung unterzogen werden, ehe sie in einer christlichen Schule eingesetzt werden. Ausserdem sollten sie durch Methoden und Ziele ergänzt werden, die sich aus dem biblischen Welt- und Menschenbild ergeben. Solche Überlegungen bilden nicht nur die Grundlage christlich-pädagogischer Arbeit, sie hilft auch Eltern, die durch ständig wechselnde Moden der Erziehungswissenschaft verunsichert werden.
In der ernsthaften Auseinandersetzung mit christlicher Erziehung ist es fruchtbar, sich mit Überlegungen christlicher Pädagogen der Vergangenheit auseinanderzusetzen, insbesondere dann, wenn ihre Arbeit dermassen fruchtbar war wie bei August H. Francke (1663–1727). «Mit ihrer Fülle von Reformen wurde die Schulstadt Franckes zu einer Sensation in Europa. Seine Pädagogik hat ein ganzes Jahrhundert das Schulwesen im evangelischen Deutschland beherrscht. Zum Teil sind seine Reformen bis in die Gegenwart hinein wirksam.»
Franckes Menschenbild war die Grundlage seiner Pädagogik. Die zu seiner Zeit herrschende Aufklärung sah den Menschen in erster Linie als Vernunftwesen. Die Betonung der Ratio führt zu einer generellen Infragestellung staatlicher und kirchlicher Ordnungen sowie einer starken Verdiesseitigung und Verweltlichung des Lebens. Alles, was nicht vernünftig erklärt werden kann, gilt als Aberglauben. Die Wissenschaft soll den Menschen zu einer irdischen Glückseligkeit führen. In der Erziehung geht die Aufklärung von einem guten Menschen aus, dessen Anlagen lediglich gefördert und zur freien Entfaltung gebracht werden müssten. Francke hingegen vertritt ein biblisch realistisches Menschenbild. Der Mensch ist nach dem Ebenbild Gottes gut geschaffen.Durch seine Rebellion gegen Gott verlor er viele seiner schöpfungsgemässen Eigenschaften und die Gemeinschaft mit Gott.
Francke bezeichnet den Menschen jetzt als Sünder, der in seinem Wesen verderbt und zu allem Guten ohnmächtig ist. Die Bosheit kommt nicht durch Umwelteinflüsse oder Erziehung zustande, «sondern aus dem innerlichen bösen Samen des menschlichen Herzens». Die Korruption der menschlichen Natur kann nicht durch fromme Leistungen oder Erziehung aufgehoben werden. Nicht Menschen oder Schulen können diese böse Anlage letztlich verändern, sondern nur die Gnade Gottes allein. «Dies ist des Heiligen Geistes sein eigenes Werk, dass er die Liebe Gottes im Herzen ausgiesset und eine Liebe zu Gott in den Gläubigen wirket, dass sie zu Gott Abba, lieber Vater, sprechen können.» Erzieherische Massnahmen sind dabei lediglich Mittel wie pflanzen und begiessen, zu denen Gott das Gedeihen geben muss. Letztlich muss der Mensch eine Bekehrung erfahren, in der Gott sein altes Wesen gründlich umgestaltet. Die Liebe Gottes muss an die Stelle der Eigenliebe treten. Lesen Sie den ganzen Artikel in FACTUM 3/2007
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