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Minarett-Initiative im TV-Talk

(23. Mai 2007/rh.) – Das Thema der Diskussionssendung „Der Club“ im Schweizer Fernsehen hiess „Minarett-Verbot: Spiel mit dem Feuer?“ Die Brisanz des Themas trat aber weniger durch Sachargumente ans Licht, sondern mehr durch persönliche Angriffe unter den Gesprächsteilnehmern.

Minarette sollen in der Schweiz grundsätzlich verboten werden. Das fordern Vertreter von SVP und EDU mit einer Volksinitiative. Die entsprechende Unterschriftensammlung macht den Islam in der Schweiz zum Thema. Muslime sehen ihre Grundrechte bedroht, in islamischen Ländern wird mit Unverständnis reagiert.

Im Pressetext des Schweizer Fernsehens zur Sendung "Der Club" stand: „Warum wird über Minarette so hitzig debattiert? Was an ihnen macht Angst? Symbolisieren sie den ‚politisch-religiösen Machtanspruch des Islams’, wie die Initianten behaupten? Oder sind sie harmlose sakrale Bauwerke, die zur Moschee gehören, wie der Turm zur Kirche?“

Unter der Leitung der phasenweise irritiert wirkenden Christine Maier diskutierten Nationalrat Ulrich Schlüer, Initiant der Volksinitiative „Gegen den Bau von Minaretten“, Nationalrat Christian Waber, Co-Initiant „Gegen den Bau von Minaretten“, Roland-Bernhard Trauffer, Generalvikar Bistum Basel, Saïda Keller-Messahli, Präsidentin Forum für einen fortschrittlichen Islam, Farhad Afshar, Präsident Koordination Islamischer Organisationen Schweiz KIOS und Nationalrat Geri Müller von den Grünen.

Nach einer ersten Positionierung der Gesprächsteilnehmer, inklusive eines Exkurses über die Geschichte des Kirchturms vorgetragen vom Dominikaner Trauffer, stand so viel fest: Weder Minarette noch Moscheen sind vom Koran vorgegebene, unverzichtbare Bestandteile des Islam. Wozu also die Debatte? Kommt die Initiative zustande, erhält die Schweizer Bevölkerung die Möglichkeit, zur Minarettfrage Stellung zu nehmen.

Ulrich Schlüer wollte die Minarette nicht als „Gebetstürme“ bezeichnet wissen, sondern mit ihnen würden gesellschaftliche und politische Ansprüche symbolisiert, die der Islam verbreite und die im Widerspruch stünden zur schweizerisch-freiheitlichen Ordnung. Schlüer betonte, dass mit der Initiative gegen den Minarettbau eine wichtige Diskussion lanciert werden soll. Man wolle Freiheit, Demokratie und Verfassungsrechte bewahren und stärken und alle Tendenzen unterbinden, diese mit dem islamischen Rechtsverständnis der Scharia zu untergraben.

„Es geht gar nicht um Minarette, Kopftücher oder Scharia, sondern darum, dass eine Religionsgemeinschaft an den Rand gedrängt wird“, konterte Farhad Afshar und bezeichnete Moscheen und Minarette als „Ausdruck islamischer Identität“. Bis heute versammelten sich die rund 350000 Muslime in der Schweiz vorwiegend in Fabriken und Garagen. Afshar selbst setzt sich für den Bau eines islamischen Zentrums in Bern ein.

Die für einen emanzipierten Islam kämpfende Saida Keller-Messahli meinte, dass Minarettbauten am Ort von der umliegenden Bevölkerung getragen und bejaht werden müssten. Sie sieht die Problematik aufgrund einer wachsenden islamischen Gesellschaft durchaus und bekannte auch, dass man „in der islamischen Welt nicht überall sagen und schreiben darf, was man will“. Deshalb fordere sie eine Lesart des Koran, die mit Demokratie und Menschenrechten kompatibel sei. Dies gerade angesichts der von ihr eingestandenen Realität, dass seit einigen Jahren derjenige Islam, der weder Menschenrechte noch Demokratie anerkenne, im Vormarsch sei.

Der Aussage von Frau Keller-Messahli, es gebe nicht den "einen" Islam, widersprach Afshar deutlich. Wohl gebe es unterschiedliche Auslegungen, aber nur „einen existentiellen Sinn“. Der Berner Soziologe gestand dann ein, dass die Muslime in der Schweiz ein „Demokratie- und Legitimationsdefizit“ hätten. Als problematisch bezeichnete Afshar den Umstand, dass im Fastenmonat Ramadan Imame aus dem Ausland in die Schweiz kämen, um zu predigen. Grund dafür sei, dass in der Schweiz islamische Theologen fehlen, weil an den Universitäten keine Imame ausgebildet würden. Deshalb fordert Afshar die öffentliche-rechtliche Anerkennung des Islam in der Schweiz.

Brisant wurde es auf einem anderen Schauplatz, nämlich zwischen Christian Waber, der sich als „Nachfolger von Jesus Christus“ bekannte und dem katholischen Generalvikar Trauffer. Dieser verwehrte sich dagegen, dass Waber im Namen der Christen rede, was dieser so auch gar nicht tat. Trotzdem zeigte sich Trauffer sichtlich wütend, entschuldigte sich sogar beim Muslim Afshar für Aussagen von Waber und Schlüer und versuchte indirekt zu vermitteln, dass seine katholische Kirche die Stimme der Christen vertrete.

Trauffer vertrat den Standpunkt, dass dem Unrecht, das in islamischen Staaten gegenüber Minderheiten herrscht, nicht durch Unrecht in der Schweiz begegnet werden dürfe. In diesem Punkt ist ihm zu folgen. Die Frage ist nun aber folgende: Wäre es Unrecht, wenn die Mehrheit der Schweizerinnern und Schweizer sagen würde, wir wollen keine Minarette im Land? 

Geschickt versuchte Farhad Afshar mit dem Jesus-Minarett der Omajaden-Moschee in Damaskus einzuflechten, dass der Islam den christlichen Religionsgründer sehr wohl anerkanne, ja sogar mit dessen Wiederkunft rechne. Es war keineswegs Generalvikar Trauffer, der darauf reagierte, sondern EDU-Nationalrat Christian Waber. Er betonte, dass Jesus Christus Gottes Sohn sei. Das wird vom Koran aber als Unmöglichkeit, ja Gotteslästerung, bezeichnet. An diesem Punkt gestand  auch der Vertreter der katholischen Kirche ein, dass er in diesem Bereich viele Anfragen an den Islam habe. Diese wolle er aber im Dialog klären und nicht mit Verboten.

In der ganzen Diskussion wurde nie so richtig klar, worin denn die Problematik des Islam liegt. Da hätten die TV-Zuschauer mehr Hintergrund benötigt. Etwa so deutliche Aussagen wie sie ehemalige Muslime in Deutschland machen. So schreibt der türkischstämmige Deutsche Arzu Toker: „Toleranz und Frieden sind für den Islam lediglich Mittel, die man im Krieg als List einsetzen kann. In vielen islamischen Staaten müssen die Christen und andersgläubige zusätzliche Steuer zahlen. Im Osmanischen Reich wurden die Kinder der Christen geraubt, um die brutalste Militäreinheit, die Janitscharen zu bilden. Natürlich gibt es im Koran Verse, die bejahen, dass die 'Götzenanbeter' ihre Götter anbeten sollen und die Moslems ihren Gott. Es gibt auch den Vers, der besagt, dass Juden, Christen und Sabiis, die gute Taten vollbracht haben ins Paradies kommen werden. Es gibt auch einen Vers, der besagt, dass es kein Zwang im Glauben gäbe. Man könnte von daher meinen, der Islam sei tolerant. Doch es gibt noch viel mehr Verse, die die genannten Verse aufheben und genau das Gegenteil proklamieren.“

Der für seine Aussage, der Islam sei keine Religion, sondern „eine Kriegserklärung an die christliche und andersgläubige Welt“ hart attackierte Christian Waber erhielt keine Gelegenheit, sein Votum zu begründen. Er hätte dazu den Koran zur Hand nehmen müssen. Denn an vielen Stellen im Koran rechtfertigt Mohammed – bzw. nach muslimischer Vorstellung Allah – die Gewalt gegen Andersgläubige; sie sind des Todes (z.B. Sure 47, 4; 2, 191; 4, 89), sollen unterworfen werden (Sure 9, 29), dürfen vertrieben und enteignet werden (Sure 59).

Der Ex-Muslim Arzu Toker schreibt: „Der Islam ist eine Religion, die die Welt als Kriegsschauplatz ansieht – und zwar solange, bis die gesamte Menschheit islamisch ist. (Siehe etwa Bakara, 191 [‚Tötet sie, wo ihr sie findet’]. Nisa 89/91 und At-Tauba 9,29: ‚Kämpft mit Waffen gegen diejenigen, die nicht an Allah glauben, noch an den jüngsten Tag glauben, und die nicht für verboten erklären, was Allah und sein Gesandter Mohammed für verboten erklärt haben, und die sich nicht nach der rechten Religion (dem Islam) richten – von denen, die die Schrift erhalten haben (d. h. Juden und Christen) – kämpft mit der Waffe gegen diese, bis sie die Minderheitensteuer abgeben als Erniedrigte!’).“

Wollen die Vertreter der Muslime in der Schweiz von der Öffentlichkeit als Dialogpartner anerkannt werden, müssten sie sich da nicht klar von solchen Versen distanzieren? Hier steckt die Brisanz hinter der Minarettfrage.

Als Farhad Afshar Aussagen der Islamkritiker mit „Unsinn sondergleichen“ beschrieb, disqualifizierte er sich selbst. Genauso der Grüne Geri Müller, der die Medien für ihre Berichterstattung aus den Palästinensergebieten kritisierte und meinte, weil er im Iran orthodoxe Kirchengebäude gesehen habe, herrsche dort Religionsfreiheit. Kann man hier nur von Blauäugigkeit sprechen? - Die Diskussion um die Gestalt des Islam in der Schweiz geht auf jeden Fall weiter.

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