Neuer alter Atheismus
(30. Mai 2007/idea) - Die jüngste Spiegel-Titelgeschichte ist lediglich eine Wiederbelebung der Aufklärung des 18. Jahrhunderts mit ihrem Wissenschaftsoptimismus und ihrer Intoleranz.
Der „neue Atheismus“, dem das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (Hamburg) seine jüngste Titelgeschichte widmet, ist lediglich eine Wiederbelebung der Aufklärung des 18. Jahrhunderts mit ihrem Wissenschaftsoptimismus und ihrer Intoleranz. Das sagte der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Weltweiten Evangelischen Allianz, Rektor Rolf Hille (Tübingen), gegenüber idea.
Der evangelikale Theologe und frühere Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Allianz kritisiert, dass „mit fanatischer Einseitigkeit“ Irrwege der grossen Religionen zum Wesen der Religion selbst erklärt würden. Das erweise sich allerdings für den Atheismus als Bumerang, denn gerade das 20. Jahrhundert habe mit den atheistischen Ideologien von Nationalsozialismus und Kommunismus zum Massenelend geführt. Atheisten müssten einsehen, dass sich Fragen der ethischen Orientierung und der letzten Sinnbegründung des Lebens nicht mit der blossen Vernunft beantworten liessen. Sonst scheiterten sie an ihren „fundamentalen Defiziten“, bevor die Diskussion mit Religionsvertretern überhaupt beginne.
„Der Spiegel“ hatte unter dem Titel „Kreuzzug der Gottlosen“ über atheistische Intellektuelle berichtet, die in den USA, Grossbritannien, Frankreich, Italien und den Niederlanden die Bestsellerlisten anführten. Mit geradezu fundamentalistischem missionarischem Eifer verträten Autoren wie der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins (Der Gotteswahn), die amerikanischen Religionskritiker Christopher Hitchens (Gott ist nicht groß) und Sam Harris (Das Ende des Glaubens), der französische Autor Michel Onfray (Wir brauchen keinen Gott), der italienische Mathematiker Piergiorgio Odifreddi (Warum wir keine Christen sein können) und die niederländische Feministin Ayaan Hirsi Ali ihre These, dass der Glaube an Gott gefährlich sei.
Auch in den USA ist der Boom der Atheistenbücher auf evangelikale Kritik gestossen. Der Präsident des Fuller Theological Seminary, Richard Mouw (Pasadena/Kalifornien), stellte eine neue „Vehemenz“ in der atheistischen Kritik des Glaubens fest. „Zwar glaube ich nicht an Verschwörungstheorien, aber es scheint, als ob sie sich alle getroffen und beschlossen hätten: Lasst uns zum Gegenangriff übergehen“, sagte er der Nachrichtenagentur Associated Press.
Pfarrer Douglas Wilson vom New Saint Andrews College in Moscow (Bundesstaat Idaho) sieht in den Büchern Anzeichen einer „säkularen Panikattacke“. Denn Nichtgläubige stellten auf einmal fest, dass das, was man ihnen an der Universität beigebracht habe, nicht stimme – nämlich dass der Glaube tot sei.
Auf "Spiegel Online" läuft eine Diskussion zum Thema.
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