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Evolutionsbiologe Kutschera: „Intellektueller Krieg“
(20. August 2007/rh.) – Der Evolutionsbiologie und scharfzüngige Kreationismuskritiker Ulrich Kutschera meldet wachsendes Interesse am Kreationismus – und macht „factum“ ein Kompliment.
Der Kasseler Evolutionsbiologie Ulrich Kutschera führt zusammen mit Thomas Junker und Martin Neukamm die Arbeitsgemeinschaft Evolutionsbiologie. Sie setzen sich nach Kräften dafür ein, Schöpfungsideen jeglicher Art anzugreifen. Kutschera spricht in diesem Zusammenhang von einem „intellektuellen Krieg“.
Viel Erfolg scheinen die Evolutionsbiologen nicht zu haben. In einem Interview mit GEO gesteht Kutschera, er müsse mit grosser Enttäuschung feststellen, dass "die kreationistische Bewegung (...) immer mehr Zulauf hat".
Gemäss Umfragen sei die Zahl der Evolutionsgegner in Deutschland von rund 20 auf bis zu 30 Prozent angestiegen. Prof. Kutschera ist aufgrund solcher Zahlen überzeugt, dass der Kreationismus in Deutschland „ein florierendes Business“ sei. Eine Vermutung, die er nicht mit Zahlen belegt. Konkrete Umsatzahlen würden seine Aussage wohl rasch entkräften. Hinter den kreationistischen Bewegungen in Deutschland und der Schweiz stehen in erster Linie idealistische Kräfte, ihren Einsatz tun sie grösstenteils ehrenamtlich, viel Arbeit erfolgt aufgrund von Spendengeldern. Das Wort „Business“, hinter dem der Leser „das grosse Geschäft“ vermutet, ist in diesem Zusammenhang jedenfalls deplatziert.
Ungewollt machte Prof. Kutschera dem schöpfungsorientierten Magazin „factum“ ein Kompliment. „factum“ sehe aus wie das Wissenschaftsjournal „Spektrum der Wissenschaft“ und enthalte „teilweise hervorragende Beiträge über molekulare Genetik, von Wissenschaftlern geschrieben“. „Aber“, so Kutschera weiter, „das Medium verbreitet von der ersten bis zur letzten Seite kreationistische Thesen“. Wer "factum" kennt, der weiss, dass die Evolutionskritik nur einen Teilbereich des Heftkonzepts umfasst. Die anderen Seiten sind gefüllt mit gesellschaftlichen Themen sowie Glaubensfragen. Den Anspruch der Wissenschaftlichkeit erhebt "factum" nicht. Hingegen werden regelmässig populärwissenschaftliche Artikel veröffentlicht. Ein kreationistisches Journal, das effektiv Artikel mit wissenschaftlichem Anspruch bringt, das von der Studiengemeinschaft "Wort und Wissen" herausgegebene "Studium Integrale Journal", erwähnt Kutschera nicht.
In „factum“ ist Ulrich Kutschera auch schon direkt zu Wort gekommen, und zwar in einer Gegenüberstellung mit dem Mikrobiologen Siegfried Scherer. Beide antworteten auf die sechs gleichen Fragen. Die jeweiligen Antworten zeigen die Diskrepanz, die sich aufgrund der unterschiedlicher Interpretationen und Modelle ergibt.
Die Frage, warum er sich nicht der öffentlichen Diskussion mit Kreationisten stelle, beantwortete Kutschera gegenüber GEO damit, dass die führenden Köpfe unter den Evolutionsgegnern exzellent geschulte Missionare seien. „Sie sind didaktisch-rhetorisch vermutlich jedem Fachwissenschaftler überlegen.“ Vor zehn Jahren habe er in Kassel öffentlich die Argumente der Kreationisten „auseinander genommen“ mit dem Ergebnis, dass es zum Eklat gekommen sei. Er sei kaum mehr aus dem Hörsaal gekommen, habe aber nichts erreicht. Seither verbreite er seine Argumente nur noch in Buchform.
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