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Jugendstrafvollzug: Ernüchternde Bilanz
(20. August 2007/rh.) – Eine Untersuchung deckt auf: Zwei Jahre nach Verbüssung der ersten Jugendstrafe, waren 80 Prozent der Betroffenen erneut verurteilt und 65 Prozent wieder im Knast.
Vor zehn Jahren begann in Deutschland die europaweit grösste Längsschnittuntersuchung zum Jugendstrafvollzug. Das Forscherteam unter Leitung von Dr. Daniela Hosser erkundet, wie eine Jugendstrafe das Leben und die weitere soziale Entwicklung junger Menschen beeinflusst.
Jetzt meldet das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen(Hannover) das ernüchternde Ergebnis: 48 Monate nach Verbüssung der ersten Jugendstrafe waren ca. 80 Prozent der Teilnehmer erneut verurteilt und 65 Prozent wieder inhaftiert. „Der Jugendstrafvollzug muss sich verändern, um einen Neubeginn zu eröffnen“, folgert Projektleiterin Daniela Hosser aus diesen erschreckend hohen Zahlen.
„Der Vollzug muss offener gestaltet werden, damit Massnahmen nach Haftende weitergeführt werden können“, sagt Daniela Hosser. „Die Förderung darf nicht mit dem Entlassungstag aufhören, sondern Nachsorge und weitere Betreuung müssen sicher gestellt sein.“
Viele Strafgefangene haben psychische Probleme und sind drogenabhängig. „Es gibt aber zu wenig Behandlungsplätze im Rahmen von Erfolg versprechenden kognitiv-behavioralen oder sozialtherapeutischen Massnahmen. Unstrukturierte Gesprächsgruppen allein helfen jedoch den Gefangenen nicht, ihr Leben in den Griff zu bekommen“, schreibt das KFN.
Seit vielen Jahren arbeitet „factum“ mit der Gefährdetenhilfe Schweideweg e.V. (Hückeswagen) zusammen, indem von Leserinnen und Lesern bezahlte Abonnemente von Mitarbeitern der Gefährdetenhilfe in den Gefängnissen an Interessierte verteilt werden. Die Gefährdetenhilfe unterhält Kontaktgruppen in Gefängnissen, offene Familien für Haftentlassene, marktwirtschaftlich orientierte Betriebe und organisiert Freizeitaktivitäten für gefährdete Menschen. Damit geht diese christliche Initiative seit vielen Jahren genau auf jenen Wegen, die jetzt neu zur Diskussion stehen.
Das KFN-Forschungsprojekt zum Jugendstrafvollzug und den Folgen „Just“ wird mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft weitere zwei Jahre fortgeführt.
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