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Afghanistan: Handbücher für Entführungen im Netz
(31. August 2007/idea) – Für die afghanische Bevölkerung wäre es tragisch, wenn christlich-humanitäre Hilfswerke sich aus Sorge vor weiteren Entführungen durch radikal-islamische Kräfte aus dem Land zurückzögen. Diese Einschätzung machte der Vorsitzende des Arbeitskreises Islam der Deutschen Evangelischen Allianz, Kirchenrat i.R. Albrecht Hauser (Korntal bei Stuttgart).
Hauser, der selbst vor rund 30 Jahren in Afghanistan tätig war, machte darauf aufmerksam, dass Hunderte von Afghanen in Entwicklungsprojekten christlicher Hilfsorganisationen beschäftigt seien, ganz abgesehen von den Tausenden, die von den Projekten für Bildung, Gesundheit und Wiederaufbau profitierten. Er sei aber zuversichtlich, dass sich die christlichen Hilfswerke nicht zurückziehen. Selbst unter der Herrschaft der radikal-islamischen Taliban habe es christlich-humanitäre Entwicklungsprojekte im Land gegeben. Allerdings könne die Tatsache, dass die Taliban im jüngsten Entführungsfall ihre Forderungen weitgehend durchgesetzt haben, anderen extremistischen Kräften im Ausland eine Vorlage bieten. Schon längst kursierten Handbücher für Entführungen im Internet.
Hauser äusserte sich sehr erfreut über die Freilassung der 19 südkoreanischen Christen, die sich sechs Wochen lang in der Gewalt der Taliban befunden hatten. Aus der Gruppe von ursprünglich 23 Aufbauhelfern aus einer reformierten Kirchengemeinde südlich von Seoul hatten die Geiselnehmer zwei Männer erschossen. In Verhandlungen mit der südkoreanischen Regierung hatten die Taliban ihre Forderung durchgesetzt, dass das Land bis Jahresende seine rund 200 Soldaten der Friedenstruppe ISAF abzieht und alle „christlichen Missionare“ zurückholt.
Die südkoreanische Regierung sieht sich im In- und Ausland dem Vorwurf ausgesetzt, sie habe sich von den Entführern erpressen lassen, die Taliban politisch aufgewertet und einen folgenschweren Präzedenzfall für weitere Entführungen geschaffen. Es sei falsch, dass Seoul öffentlich den Taliban nachgegeben habe, sagte der aussenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagfraktion, Eckart von Klaeden. Nach Einschätzung des CSU-Politikers Karl-Theodor von Guttenberg haben die Taliban einen Propaganda-Erfolg verbucht. Der verteidigungspolitische Sprecher der Bundestagsfraktion der Grünen, Winfried Nachtwei, sprach von einem „politischen Triumph“ der Taliban. Der afghanische Handelsminister Amin Farhang befürchtet, dass die Taliban weiter versuchen werden, ihre Ziele mit Entführungen durchzusetzen.
Kritik an den Verhandlungen mit den Taliban übte auch der Internationale Direktor der Hilfsaktion Märtyrerkirche, Glen Penner (Bartlesville/US-Bundesstaat Oklahoma). Der vereinbarte Abzug christlicher Mitarbeiter aus Afghanistan verletze die Religionsfreiheit. Die Botschaft an Christen laute: „Ihr könnt den Auftrag Christi erfüllen – nur nicht in Afghanistan.“ Keine Regierung habe das Recht, solche Forderungen aufzustellen, noch nicht einmal zum Schutz ihrer Bürger. Ausserdem könnten die südkoreanischen Zugeständnisse die Sicherheit christlicher Missionare in anderen Ländern gefährden, die dem Christentum feindlich gesinnt seien. Religiös motivierte Militante könnten daraus schliessen, dass es sich lohne, Christen zu entführen.
Der Präsident des Bundes der Südlichen Baptisten in den USA, Frank Page (Taylors/Bundesstaat Süd Carolina), sagte, er sei einerseits hoch erfreut über die Freilassung der Südkoreaner, aber auch besorgt wegen der Bedingungen. Er habe gehofft, dass die südkoreanische Regierung nicht mit Terroristen verhandle. Wenn auch die Unterhändler zugesagt hätten, dass die Missionsarbeit beendet werde, so werde dadurch Gottes Wirken nicht gestoppt, sagte Page, der der mit über 16 Millionen Mitgliedern grössten protestantischen Kirche in den USA vorsteht.
Das christliche Hilfswerk Ora International, dessen Kabuler Büroleiterin Christina Meier vor kurzem in Afghanistan entführt und nach 36 Stunden befreit worden war, will sich vorerst nicht aus dem Land zurückziehen. Das sagte Ora-Pressesprecher Ulf Baumann (Korbach) in einem Interview mit ideaFernsehen. Allerdings seien die Sicherheitsmassnahmen für die rund 20 ausländischen Mitarbeiter und Familienangehörigen verstärkt worden. Baumann betonte, dass seine Organisation nicht missioniere, sondern rein humanitäre Hilfe im Sinne tätiger Nächstenliebe leiste. Quelle: idea
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