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Grossfamilien: "Unzumutbare Doppelbelastung"
(06. November 2007/ssf.) - Der 10. Familientag der „Interessengemeinschaft Familie 3plus“ hat am Samstag in Bern mit einer Resolution Bund und Kantone aufgefordert, solidarischer mit den Familien zu sein. Ein Podium mit Politikerinnen und Politikern untermauerte die Forderungen der Interessengemeinschaft.
Aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen steige der Druck auf die Familien und damit gleichzeitig der Druck auf beide Elternteile, erwerbstätig zu sein. Während die Wirtschaft an der produktiven Leistungen der Mütter interessiert sei, unterstütze auch der Staat mit der Subventionierung der Fremdbetreuung sowie mit Steuerabzügen für Betreuungskosten diese einseitige Entwicklung, kritisiert die IG3plus in ihrer Resolution. „Vor allem für Mütter und Väter von Familien mit mehreren Kindern stellt dieser Zwang zur Aufnahme einer ausserhäuslichen Erwerbstätigkeit beider Elternteile – bei gleichzeitiger Familien- und Erziehungsarbeit – vielfach eine unzumutbare Doppelbelastung dar“, kritisiert der Interessenverband der kinderreichen Familien. Die Resolution fordert Staat und Gesellschaft auf, die Familienarbeit besser zu anerkennen, insbesondere ihren Beitrag zur Bildung von „Humankapital“ für Wirtschaft und Gesellschaft. Zudem müsse „die Diskriminierung von Einverdiener-Elternpaaren gegenüber Zweiverdiener-Elternpaaren“ sofort beendet werden. Die Subventionierung der Fremdbetreuung solle mit entsprechenden Abgeltungen der elterlichen Erziehungsarbeit kompensiert werden. Weiter müsse der schwierigen Lage der allein erziehenden Eltern „mit angemessenen Massnahmen“ begegnet werden.
Auf einem Podium bekannten sich Nationalrätinnen und Nationalräte aus Parteien von rechts bis links als engagierte Familienväter – mit meistens zu wenig Zeit für ihren Nachwuchs. Ruedi Noser (FDP), Peter Föhn (SVP), Brigitte Häberli (CVP), Andy Tschümperln (SP) sowie Markus Wäfler und Christian Waber (EDU) sprachen über Freude und Leid in der Familie, über ihre Wertvorstellungen und Erwartungen an die Gesellschaft.
Mit Rösli Zuppiger, Ehefrau von Nationalrat Bruno Zuppiger kam eine überzeugte Hausfrau und Mutter zu Wort. Mit Katharina Hoby eine Pfarrerin mit fünf eigenen Kindern und einem Pflegekind. Selbstredend verstanden die beteiligten Politikerinnen und Politiker die Rolle des Staates in der Familienpolitik recht unterschiedlich. Was sich zum Beispiel bei den beiden Schwyzer Nationalräten exemplarisch zeigte. Während Peter Föhn (SVP) die Eltern kinderreicher Familien ermutigte, stolz auf ihre „grossartigen“ Leistungen für Staat und Gesellschaft zu sein, aber keine weiteren Leistungen vom Staat zu fordern, bekannte Andy Tschümperlin (SP), dass gerade die Einsicht, dass junge, kinderreiche mehr finanzielle Unterstützung brauchten, ihn zum politischen Engagement motiviert habe.
Ruedi Noser (FDP, ZH), Vater von drei schulpflichtigen Kindern, hob hervor, dass die heutige Zeit für die Familien mehr als nur finanzielle Herausforderungen bringe. Das heutige Leben beschere den Familien sehr viele Aktivitäten und den Zwang, immer wieder über Fragen entscheiden zu müssen, die in seiner Kindheit noch ganz selbstverständlich gelöst wurden. Brigitte Häberli (CVP, TG) bekannte, als Mutter auch an Grenzen gekommen zu sein. Trotzdem machte sie den anwesenden Eltern Mut, die Zeit mit den heranwachsenden Kinder zu geniessen, „auch wenn manchmal zu wenige Stunden zum Schlafen bleiben“.
Christian Waber wies auf die Wertefrage hin, die in der Familie auch eine Zeitfrage sei: „Kinder müssen wissen, dass wir für sie Zeit haben auch wenn wir keine haben.“ Markus Wäfler (EDU) betonte die hohe Verantwortung der Vollzeit-Mütter. Diese würden aber oft zuwenig wertgeschätzt. Zudem müssten sie den Freiraum haben, auch Aussenbeziehungen zu pflegen.
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