Kontakt   Newsletter   Impressum
   

    factum online RSS
  Infos zum RSS-Feed

Die atheistische Herausforderung

(27. Dezember 2007/tl.) - Der Erfolg der atheistischen Bewegung ist ein Zeichen dafür, dass der christliche Konsens in der Gesellschaft schwindet. Für Christen kann das Anlass sein, sich neu über die Attraktivität eines authentischen Glaubenslebens bewusst zu werden.

Die Worte lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig. In seinem Bestseller «Das Ende des Glaubens» formuliert Christopher Hitchens, einer der «neuen Atheisten», die eine europaweite Debatte über die Religion in Gang gebracht haben: «Während ich diese Worte schreibe und sie gelesen werden, planen Gläubige auf diverse Arten unsere Zerstörung und die Zerstörung all der (...) mühsam erarbeiteten Errungenschaften. Die Religion vergiftet alles.»

Hitchens spricht keineswegs von muslimischen Gotteskriegern, die verheerende Anschläge anrichten wollen, sondern von der Bibel, von Christen. Sein eigener Unglaube sei «ein protestantischer Atheismus», schreibt Hitchens. Sein Vater habe unter der Strenge einer baptistisch-calvinistischen Erziehung gelitten.

Die Häme und der Widerspruch, mit denen Christen öffentlich konfrontiert werden, ist von einer neuen Dimension. Gehen wir einem «atheistischen Zeitalter» entgegen? Manche der neuen Atheisten sehen sich als die Avantgarde einer künftig tatsächlich «aufgeklärten» Welt. Welche Bedeutung hat der mediale Durchmarsch der Atheisten? Was für Folgen wird das für Christen haben? Auf was für eine gesellschaftliche Entwicklung müssen sich Christen einstellen? Wie können sie darauf angemessen reagieren?

Nachdem Richard Dawkins, Sam Harris und Christopher Hitchens mit ihren Büchern bereits in den USA Verkaufserfolge feiern konnten (vgl. factum 8/2007), hat ihre fundamentale Religionskritik («Glaube ist Ausdruck von Rückständigkeit, pures Wunschdenken, im Grunde eine geistige Krankheit») Europa erfasst.

Die atheistischen Streitschriften finden in den Medien breite Beachtung, aber auch Kritik. Viele Rezensenten warfen den Autoren unsachliche und eifernde Argumentationsweise vor. Die Bücher von Dawkins und Hitchens fanden ein überragendes Medieninteresse trotz ihrer faktischen Unseriosität. Das erklärt sich unter anderem dadurch, dass in der kommerzialisierten Medienlandschaft alles begierig aufgegriffen wird, was Auflage und Einschaltquote verspricht. Die Bereitschaft breiter Bevölkerungsschichten, Interesse für Thesen jedweder Art zu entwickeln, wenn sie nur schmissig dargeboten und gut aufbereitet sind, ist verblüffend. Das zeigt, dass tatsächlich fachlich fundierte Kritikfähigkeit in der Gesellschaft – entgegen ihrem Selbstbild – allem Anschein nach nur gering ausgeprägt ist. Es zeigt auch, dass heute kein christlicher Grundkonsens mehr besteht.

Die grosse Bedeutung dieser Entwicklung für Christen zeigt sich vor allem darin, dass diese Thesen ungeachtet ihrer Militanz und ihrer herabsetzenden Art dieses Medienecho fanden. Für Christopher Hitchens etwa ist die Bibel nicht mehr als «eine Wüste aus leerem Geschwätz und Gejammer, Aberwitz und Angstmache». Sie sei Quelle der Gewalt, lehre Hass und Intoleranz. Dawkins behauptet, die Bibel propagiere Vergewaltigung und Völkermord als «Leitfaden für die Lebensführung ». Das ist starker Tobak, der sich eigentlich von selbst diskreditiert. Aber: Er wird gehört.

Die Tatsache, dass solch gehässige Tiraden von der Öffentlichkeit bereitwillig aufgenommen werden, zeigt, dass ein weiteres Tabu in der Gesellschaft gebrochen ist. Dass Christen sich «mitten in der Gesellschaft» fühlen konnten, ist Vergangenheit. Sie werden zunehmend und merklich an den Rand gedrängt. Ein gesellschaftlicher Konsens, wonach der christliche Glaube – ungeachtet der eigenen Überzeugung – als eine prinzipiell doch eher positive Sache zu bewerten ist, die sich auch gesellschaftlich vorteilhaft auswirkt, wird von wortmächtigen Gruppen aufgekündigt. Und das wird seine Breitenwirkung haben. Offen wird die Ausgrenzung der Christen gefordert, ihr Ausschluss von öffentlichen Debatten über gesellschaftliche und ethische Anliegen.

Lesen Sie den ausführlichen Artikel in factum 9/2007.

zurück

Das aktuelle Heft:
factum 3/2012


factum 3/2012
factum-Abo
efactum-App
Mithelfen und fördern!
ethos – suchen, finden, leben