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Verona Feldbusch als Killerin
(21. Dezember 2007/fl.) - Wenn Schüler Fantasie entwickeln sollen, zeigt sich dabei der inzwischen fatale Einfluss der Medien.
Verrohen Kinder und Jugendliche durch brutale Medieninhalte? Zumindest prägen Bilder aus Kino und Fernsehen massiv ihre Fantasie. Das zeigt eine Studie von Wissenschaftlern der Universität Bonn, die jetzt in Buchform erschienen ist. Knapp 300 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 und 8 sollten zu einem klassischen Märchenanfang einen Schluss schreiben.
Vor allem die Jungen fanden oft extrem gewalttätige Enden, an denen sich direkt der Einfluss von Filmen und Computerspielen ablesen liess. Auch bei Mädchen sind die Gedanken nicht immer frei: Sie liessen ihre Märchen zwar in aller Regel gewaltfrei enden, bedienten sich dabei aber gerne aus romantischen Seifenopern.
Littleton, Erfurt oder die finnische Kleinstadt Tuusula sind Schauplätze von Gewaltszenarien, die aus einem Film oder Computerspiel stammen könnten. Entsprechend schnell stehen die Medien unter Verdacht, für derartige Amokläufe die Vorlage geliefert zu haben. «Unsere Studie zeigt in der Tat, wie sehr Medienbilder inzwischen die Fantasie von Kindern besetzen», erklärt Prof. Dr. Volker Ladenthin (Universität Bonn). «Also auch jene Fantasie, mit der sie ihr späteres Handeln planen.»
Ladenthin hat zusammen mit Jessica von Wülfing und Claudia Kamps untersucht, welche Bilder in den Köpfen von Heranwachsenden herumspuken. Dazu händigten sie Schülern den Anfang des Märchens «Die Königstochter im Zauberschloss » aus. Darin wird eine Prinzessin von einer Hexe gefangen genommen.
Die Jugendlichen sollten dazu einen Schluss schreiben. Die Forscher führten ihr Experiment an reinen Mädchen- und Jungenschulen durch, und zwar sowohl an Gymnasien als auch an Realschulen. Insgesamt 125 Schülerinnen und 155 Schüler nahmen teil.
Die Fantasien der Jungen und Mädchen unterschieden sich deutlich: So liessen Schüler ihre Märchen oft in wahren Blutorgien enden – und sprengten dabei ohne Hemmungen die Grenzen des Genres: Da trampelt King-Kong die Königstochter nieder, die Amerikaner werfen die Atombombe, und die Helden kämpfen mit Messern, Uzis oder Präzisionsgewehren. Sogar Verona Feldbusch hat einen Auftritt, in dem sie als Autofahrerin kaltblütig die Hauptfiguren des Märchens überfährt. Die Schülerinnen kamen bei der Befreiung der Prinzessin dagegen meist ohne Gewalt aus. Stattdessen nahmen sie gerne Anleihen an romantischen «Daily Soaps».
Die Bonner Studie hatte nicht zum Ziel, nach den Ursachen konkreter Gewaltverbrechen jugendlicher Täter zu fragen. Trotzdem zeigt das Experiment, wie sehr Bilder aus den Medien die Vorstellungswelt Heranwachsender prägen.
Lesen Sie den ganzen Artikel in factum 9/2007.
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