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Flores-Menschen hatten Gendefekt
(11. Januar 2008/rh.) – Die auf der indonesischen Insel Flores entdeckten auffallend kleinen Menschenfossilien sind keine Stufe in der Evolution, sondern litten an einem Gendefekt.
Aufgrund ihrer Grösse gab man den Flores-Menschen den Übernamen «Hobbits». Sie sollen vor 18000 Jahren gelebt haben. Von Beginn an entbrannte eine Diskussion um ihre Einordnung: Waren es Zwischenglieder auf der Evolutionsstufe? Ein Nebenast des menschlichen Stammbaums? Eine besonders kleine Menschenart? Forscher der Universität Erlangen meinen, es sei wenig wahrscheinlich, dass es sich bei den vor vier Jahren entdeckten «Hobbits» um eine eigene Menschenart gehandelt habe. Vielmehr seien sie Opfer eines Gendefekts gewesen.
Zu dieser Erkenntnis gelangten die Erlanger Humangenetiker bei Forschungen über Wachstumsstörungen. Sie konnten bei 25 Kleinwüchsigen einen Defekt im Perizentrin-Gen nachweisen, einem Schlüsselmolekül der Zellteilung. Menschen mit diesem Gendefekt haben in etwa die Körpergrösse der indonesischen «Hobbits“.
Das für den Defekt verantwortliche Perizentrin-Gen ist ein Schlüsselmolekül zur Verankerung der Fäden, an denen die Chromosomen bei der Zellteilung in entgegen gesetzter Richtung in die neuen Tochterzellen gezogen werden. Menschen mit diesem genetischen Defekt werden nicht größer als etwa einen Meter und weisen einen relativ kleinen Kopf auf, der dem eines drei Monate alten Kindes vergleichbar ist, sind dabei jedoch intellektuell weitgehend normal. Ausgangspunkt der Forschungsarbeit waren zwei in Franken lebende betroffene Mädchen, die die humangenetische Sprechstunde des Uni-Klinikums Erlangen aufsuchten, um herauszufinden, warum sie nicht wie ihre Altersgenossen wachsen. Mit der finanziellen Unterstützung des Bundesministe¬riums für Bildung und Forschung für die Erforschung seltener Erkrankungen konnten die Erlanger Humangenetiker Defekte im Perizentrin-Gen bei insgesamt 25 Betroffenen aus verschiedenen Ländern als ursächlich nachweisen.
Der erforschte Gen-Defekt könnte auch die Ursache für die als „Hobbits“ berühmt gewordenen Miniaturmenschen sein, die vor - nach herkömmlicher Datierung - 18.000 Jahren auf der Indonesischen Insel Flores gelebt haben, vermutet Dr. Anita Rauch. Seit deren Entdeckung vor vier Jahren tobt ein heftiger Streit darüber, ob es sich bei den Hobbits um eine eigene primitive Menschenart oder um moderne Menschen mit einer unbekannten Erkrankung handelt.
Die Erlanger Forscher meinen die Lösung des Rätsels gefunden zu haben. Sie vermuten aufgrund der grossen Ähnlichkeit mit den jetzt untersuchten Patienten, dass der Körperbau der Floresbewohner durch Perizentrin-Defekte verursacht worden war.
„Im Hinblick auf den andauernden Streit um die Natur der menschenartigen Miniaturbewohner der Insel Flores zeigen unsere Erkenntnisse, dass es nicht einer Jahrtausende währenden Evolution Bedarf, um solche Menschen zu erklären“, sagt Rauch. „Ein einziger Gendefekt kann ausreichend sein, um einen heutigen Menschen auf das Mass der ,Hobbits“ zu schrumpfen und gleichzeitig zahlreiche Anomalien der Knochen hervorzurufen.“ Der Begriff „Hobbits“ geht auf die Zwergmenschen in der Tolkien Trilogie „Herr der Ringe“ zurück.
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