Das bewegt Amerika: Armut, Schulen, Aids
(22. Januar 2008/idea) – Themen der Ethik und Moral spielen bei Wahlen in den USA eine grössere Rolle als in Europa. Theologisch konservativen Christen wird nachgesagt, dass sie sich auf zwei Felder beschränkten: Abtreibung und Homosexualität. Doch es gilt, zu differenzieren.
Das Meinungsforschungsinstitut Barna Ventura/Bundesstaat Kalifornien) kommt in jüngsten Umfragen zu einem differenzierteren Ergebnis. Danach spielen ethisch-moralische und soziale Fragen für alle US-Amerikaner eine grosse Rolle. Zu den Hauptproblemen, die von mehr als drei Vierteln aller Erwachsenen benannt werden, zählen Armut (78 Prozent), Privatverschuldung (78) und Aids (76). Von etwas geringerer Bedeutung sind illegale Einwanderung (60), Erderwärmung (57), Abtreibung (50) und der Inhalt von Fernsehen und Kinofilmen (45). Etwa jeder dritte erwachsene Amerikaner betrachtet den Umgang mit Homosexualität als ein Problem, wobei jeweils 35 Prozent erklärten, sie seien besorgt über den „homosexuellen Lebensstil“ und über „politische Homo-Aktivisten“. Etwa 23 Prozent bezeichneten die politischen Aktivitäten konservativer Christen als ein grosses Problem.
Bei der Untersuchung der Christen unterscheidet das Meinungsforschungsinstitut zwischen den „Wiedergeborenen“ und einer enger gefassten konservativeren Untergruppe, den „Evangelikalen“, die etwa 20 Prozent der Wiedergeborenen ausmachen. Rund 79 Prozent der Wiedergeborenen bezeichneten die Privatverschuldung als grösstes Problem, gefolgt von Armut (78) und Aids (77). Sie unterscheiden sich von den nicht Wiedergeborenen unter anderem dadurch, dass für sie folgende Probleme schwerer wiegen: illegale Einwanderung (68), Abtreibung (67), Fernseh- und Filminhalte (60), homosexueller Lebensstil (51) und homosexuelle Aktivisten (49). Bei den Evangelikalen steht Abtreibung mit 94 Prozent weit an der Spitze, gefolgt von der privaten Verschuldung (81), Fernseh- und Filminhalten (79), homosexuellen Aktivisten (75) und schwulem bzw. lesbischem Lebensstil (75).
Wie der Direktor der Untersuchung, David Kinnaman, erläutert, wird die politische Bedeutung der konservativen Evangelikalen von Beobachtern oft überschätzt. Dieses Segment repräsentiere etwa einen von elf Wählern. Die nicht-evangelikalen Wiedergeborenen würden hingegen häufig unterschätzt; jeder fünfte Wähler gehöre zu dieser Gruppe. Zusammen hätten sie bei der letzten Präsidentschaftswahl im Jahr 2004 etwa die Hälfte aller Stimmen abgegeben. Auch werde die Bandbreite der Themen, die diese Wählergruppe für wichtig halte, oft zu eng eingeschätzt.
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