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Die inszenierte Wirklichkeit

(25. Januar 2008/tl.) - Aus arabischen Diktaturen ist eine freie Berichterstattung nur eingeschränkt möglich. Das Buch eines holländischen Journalisten klärt auf und rät zur Skepsis. Das Bild, das die Medien von der Situation vor Ort zeigen, ist oft nicht zuverlässig.

Das Fernsehen bestimmt das Bild, das Menschen vom Geschehen in der Welt haben. Was aber, wenn die gezeigten Bilder nicht verlässlich sind? Wenn Wichtiges fehlt? Wenn sie gestellt sind? Joris Luyendijk berichtete fünf Jahre lang als Korrespondent für verschiedene holländische Zeitungen und Radiosender, schliesslich auch für das Fernsehen aus Nahost. Jetzt hat er ein Buch verfasst, in dem er die Arbeitsbedingungen eines Korrespondenten schildert und darlegt, wie schwierig es ist, sachlich zu berichten.

Sein Buch ist ein Lehrstück für Mediennutzer. Es zeigt, wie wichtig es ist, sich über die schwierigen Arbeitsbedingungen, die vor allem unter den Regimen arabischer Diktaturen herrschen, im Klaren zu sein. In den ersten Jahren berichtete Luyendijk nur für Printmedien und das Radio, zunächst aus Kairo, dann aus dem Libanon, schliesslich aus den Palästinensergebieten. Hier wurde sein Vertrauen in die Fernsehbilder fundamental erschüttert.

Nach einem Angriff der israelischen Armee, berichtet Luyendijk, habe er nach Klischees gesucht, die «Verzweiflung» und «Entsetzen» illustrierten. Er schreibt: «Eine Frau erzählte, ihr fiele immer wieder ein, dass sie die Waschmaschine noch reparieren lassen müsse. ‹Aber dann wird mir klar: Die ist unter dem Schutt begraben. Genau wie mein Mann.› Bingo! Ein genialer OTon. Ich wollte gerade gehen, da sah ich noch, wie jemand für die anrückenden
Kamerateams nagelneue Babyklamotten im Schutt verteilte.»

Erst als er auch für das Fernsehen arbeitete, erkannte er, dass er bis zu diesem Moment «ein ziemlich naiver Nachrichtenzuschauer» gewesen war. Dass Aufnahmen, die in den Wohnstuben der Fernsehzuschauer wie authentische und beweiskräftige Dokumente wirken, in Wirklichkeit inszeniert und arrangiert sind, ist keineswegs selten.

«Alle paar Tage erlebte ich so etwas», schreibt Luyendijk. Das Verbrennen israelischer Flaggen, das Steinewerfen sind häufig verabredete Termine. Was im Fernsehen wie spontaner Volkszorn aussieht, ist in Wirklichkeit eine der Bilder wegen inszenierte Veranstaltung.

Lesen Sie ganze Besprechung von Luyendijks Buch in „factum“ 1/2008.

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