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Mordfall Malatya: Am liebsten schweigen

(25. Januar 2008/tl.) - Ist die türkische Polizei in die Christenmorde von Malatya verwickelt? Die Hintermänner der Bluttat werden gedeckt, das Gericht verschleppt die Ermittlungen. Die Opfer und ihr Umfeld werden kriminalisiert.

Wohin steuert die Türkei? Der Prozess gegen die mutmasslichen Mörder der drei Christen im anatolischen Malatya gibt Anlass zu dieser Frage. Die fünf Männer, die angeklagt sind, Necati Aydin, Ugur Yüksel und den Deutschen Tilman Geske ermordet zu haben, hatten engen Kontakt zu Behörden und zur Polizei. Unmittelbar vor der Mordtat wurden sie aus dem Hauptquartier der Sondereinheiten der Polizei in Ankara angerufen. Die Staatsanwaltschaft und die Polizei geraten immer mehr ins Zwielicht, weil sie konkreten Hinweisen nicht nachgehen und einen offenkundigen Unwillen an den Tag legen, die Hintermänner der brutalen Morde zu ermitteln. Belastendes Material verschwindet oder wird nicht in die Ermittlungen einbezogen. Stattdessen werden die christlichen Aktivitäten der Opfer kriminalisiert.

Am 18. April des vergangenen Jahres waren die drei Christen mehrere Stunden lang misshandelt und schliesslich brutal ermordet worden. Der Obduktionsbericht wurde im Dezember veröffentlicht und weist aus, dass Tilman Geske 16 Stichwunden erlitten hat, fünf davon seien tödlich gewesen, insbesondere die durch das Aufschlitzen der Kehle. Alle Opfer wurden in dieser Weise getötet. Ugur Yüksel hat insgesamt 14 Stichwunden an seinem gesamten Körper erlitten. Necati Aydin erlitt sechs Stichwunden, auch hier waren mehrere tödlich. Offenbar war versucht worden, ihn mit einem Seil zu strangulieren.

Bei der Flucht nach der Tat hatte sich der Hauptangeklagte Emre Günaydin beim Sprung aus dem Fenster verletzt. Die Bilder aus einer Überwachungskamera im Krankenhaus, die dokumentierten, wer ihn dort unmittelbar nach der Tat aufsuchte, sind verschwunden. Ein Mitangeklagter sagte vor Gericht, der Anführer der Gruppe, Günaydin, habe gute Kontakte zur Polizei unterhalten und den Eindruck verbreitet, die Tat sei «von hoher Stelle» angeordnet
worden. Günaydin hatte die Opfer vor ihrer Ermordung mit einer Schusswaffe eingeschüchtert, die er zwei Tage vor der Tat gekauft hatte. Als er damit im Freien Schussübungen machte, wurde die Waffe von der Polizei konfisziert. Sie wurde ihm aber fast umgehend wieder ausgehändigt. Nach türkischem Recht hätte die Rückgabe zuerst bei einem Gericht beantragt werden müssen.

Die mutmasslichen Mörder der drei Christen hatten in den Monaten vor der Tat regen Kontakt mit einem Istanbuler Staatsanwalt und unmittelbar vor der Tat Kontakt mit einer Spezialeinheit der Polizei. Mit einem Abgeordneten der «Partei der Nationalen Bewegung
» (MHP) führten sie mindestens 18 telefonische Gespräche, in denen der nationalistische Politiker sie über die «Gefahren» christlicher Missionare belehrte.

Lesen Sie den ausführlichen Bericht in „factum“ 1/2008.

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