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Türkei: Der Mordanschlag weckt Interesse am Glauben
(01. Februar 2008/idea) – Die Ermordung von drei Christen im osttürkischen Malatya im April 2007 hat bei einigen Muslimen des Landes Interesse am christlichen Glauben geweckt. Das berichtet der Baptistenpastor Ertan Cevik (Izmir) in einem Interview mit dem Magazin „Stimme der Märtyrer“ der Hilfsaktion Märtyrerkirche (Uhldingen am Bodensee).
„Muslime beginnen, über ihren Glauben nachzudenken und über die Gewalt, die damit zusammenhängt“, so Cevik. So habe ein junger Muslim Kontakt zu den Baptisten in Izmir gesucht. Er sei von der grausamen Ermordung der Christen durch „gläubige Muslime“ schockiert gewesen und habe mehr über den christlichen Glauben wissen wollen, weil nach seiner Meinung „mit dem Islam etwas nicht stimmen könne“. Der junge Mann habe erst an einem Bibelkurs und später am Taufunterricht teilgenommen, sei Christ geworden und habe sich taufen lassen.
Fünf junge Muslime hatten am 18. April den Deutschen Tilmann Geske sowie die Türken Necati Aydin und Ugur Yuksel im Zirve-Verlag gefoltert und ermordet. Der Prozess gegen die mutmasslichen Mörder wurde Mitte Januar fortgesetzt. Die Täter handelten der Staatsanwaltschaft zufolge aus Hass auf christliche Missionare. Ihnen drohen lebenslängliche Haftstrafen.
Pastor Cevik steht unter Polizeischutz, weil sein Name auf einer Todesliste militanter Islamisten gefunden wurde. Sein „Beschützer“ sei sechs Jahre lang Personenschützer des Innenministers gewesen, so Cevik. Der Pastor hat nach eigenen Angaben Gottes Bewahrung erlebt. So habe ein Attentäter, der im Dezember einen katholischen Priester niedergestochen hatte, zunächst bei den Baptisten Einlass gesucht, angeblich um zu beichten. Dem Küster sei das merkwürdig vorgekommen. Als dann zwei Polizisten auftauchten, sei dieser Mann weitergegangen.
Zufrieden zeigt sich Cevik mit den Reaktionen von Politik und islamischer Führung auf die Übergriffe. Premierminister Recep Tayyip Erdogan habe öffentlich erklärt, dass es eine Schande sei, Christen und ihre Pastoren zu töten. Der oberste Imam des „Amtes für religiöse Angelegenheiten“ habe ebenfalls die Morde streng verurteilt. In Izmir habe der oberste Mufti als Zeichen der Solidarität mit den Christen öffentlich Pastoren und Gemeindeleiter empfangen. Doch in der Gesellschaft gebe es weiter Vorbehalte gegenüber Christen. In manche Firmen erhielten sie keine Anstellung. In Moscheen werde das Vorurteil geschürt, dass Christen Muslime mit Geld bestächen, damit diese sich taufen liessen.
Den Vorwurf, dass manche Christen aggressiv missionierten, wies Cevik als „ungehörige Verdrehung der Opfer-Täter-Situation“ zurück: „Wir Christen sind eine kleine Minderheit in einem Land mit 99 Prozent Muslimen.“
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