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„factum“ am Denkinger Vesper

(29. Februar 2008/fa.) – Damit uns ein Medienbericht berührt, muss er in einem Zusammenhang stehen mit unseren eigenen Beziehungsfeldern. Am Denkinger Vesper sprach „factum“-Chefredakteur Rolf Höneisen über Medienmechanismen, die Brüche in der Gesellschaft und den Weg der Versöhnung.

Es war der erste Anlass dieser Art. Im Rahmen der Erwachsenenbildung im deutschen Denkingen organisierte die Evangelische Freikirche ETG Spaichingen in der altehrwürdigen Bürgerscheune einen traditionell schwäbischen Vesper mit anschliessendem Impuls-Referat.

Eingeladen war Rolf Höneisen, Chefredakteur des Magazins „factum“. Anhand aktueller Beispiele zeigte er auf, wie das Internet die Medienwelt und Mediennutzung verändert hat. Die Welt sei zu Gast bei uns, wir könnten uns – zum Beispiel mit Google Earth – in die Lüfte schwingen und jeden erdenklichen Ort auf Erden besuchen.

Globale Ereignisse beschäftigen uns und wirken sich so auch lokal aus. Höneisen: „Heute kann ein Hausbrand in Deutschland in ganz Europa, ja in der Welt einen Flächenbrand an Diskussionen, Demonstrationen und Gewalt auslösen.“ Als Beleg führte er den Brand von Ludwigshafen und einen Hausbrand in Aldingen an. Beide Brandfälle führten zu ungewöhnlichen Echos in der internationalen Presse. Aber was macht ein Ereignis in Deutschland interessant für die Medien umliegender Länder? Es ist ihre Nähe zum eigenen Umfeld.

Anhand von sieben Beziehungsfeldern erklärte der Journalist die tiefere Dimension, die hinter jedem Ereignis steckt. Sind diese Beziehungsfelder – zum anderen, zur Familiengeschichte, zu mir selbst, zum anderen Geschlecht, zur eigenen Nation, zur Natur und zu Gott - nicht geklärt und versöhnt, sondern labil und umstritten, leben wir in ständiger Verunsicherung. Uns fehlten in diesen Feldern die Werte, an denen wir uns orientieren könnten.

„Uns macht die zunehmende Isolation und Vereinsamung zu schaffen, der Verlust des Lebenssinns, die Distanz zur Natur, der Verlust der Geschichte, der Zerbruch der Familien und Ehen“, zählte Höneisen auf, und – es sind exakt diese Themen, über die Medien berichten und die uns berühren.

„Der Bruch, der sich durch all unsere Beziehungsfelder hindurch zieht, ist die Folge der zerbrochenen Beziehung zu unserem Schöpfer“, ist Rolf Höneisen überzeugt. Dieser Bruch hole uns immer wieder ein. Er gehe durch unsere Beziehungen, „ja, mitten durch unser Herz". Wer Heilung suche in seinen Beziehungen, tue gut daran, sich zu allererst mit seiner Beziehung zu Gott auseinanderzusetzen.

Mit dem Hinweis auf die aktuelle Atheismus-Diskussion warnte Höneisen davor, die Frage nach Gott auszusetzen: „Wenn wir Gott abschaffen, besteht die Gefahr, dass wir auch den Menschen abschaffen.“ Der Mensch bekomme seine Würde und Integrität von Gott. Es sei gefährlich, wenn wir uns durch Nützlichkeit definierten, oder durch Nationalität, oder durch Schönheit und Geld. „So werden wir manipulierbar oder manipulieren - und das Mass für die Ethik des Zusammenseins geht verloren.“

„Der Bruch, der die Welt und uns durchzieht, heisst in der Sprache der Bibel Sünde. Sie ist nicht nur einzelne Tat, sondern eine abgrundtiefe Macht, die sich gegen Gott stellt und die Schöpfung und damit auch das Bild des Menschen zerstört.“ Mit gutem Willen allein lasse sich der Bruch der Sünde nicht kitten, zeigete sich der Referent überzeugt. Man sehe zwar überall Spuren und Handlungen des Zerrissenseins. Aber das tatsächliche Gewicht der Schuld würden wir dadurch noch nicht sehen. Es gebe nur einen Ort, wo die Tiefe des Bruchs und das Gewicht der Sünde sichtbar werden: Das sei Christus, der Gekreuzigte, das Lamm Gottes, wie es auf einem Glasfenster in einer Denkinger Kirche dargestellt wird, „das unsere Schuld auf sich lädt und sühnt, das eine Brücke schlägt zwischen Gott und Mensch und eine Türe aufschliesst zurück in die Beziehung mit dem Schöpfer“.

Der Kommune Denkingen, die unter anderem mit Bürgermeister Rudolf Wuhrer vertreten war, riet Rolf Höneisen in Fragen des Leitbilds wieder vermehrt wertorientiert zu denken und im Zusammenleben entsprechend zu handeln. Die Zukunft unserer Gesellschaft hänge wesentlich davon ab, ob wir „die Wurzeln des christlichen Glaubens mit seiner Kraft, seiner Spiritualität, seiner Lebensfreude, seinem Humanismus und seinen Werten wieder entdecken - oder ganz zurückweisen“.

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