Christival-Start unter Polizeischutz?
(19. März 2008/idea.) - Im Streit um den evangelikalen Jugendkongress Christival droht eine Eskalation. Der Eröffnungsabend am 30. April kann möglicherweise nur unter Polizeischutz stattfinden.
Gegenwärtig gebe es entsprechende Gespräche mit der Polizei, sagte Christival-Pressesprecher Stephan Volke (Marburg) gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur idea. Die Veranstalter befürchteten massive Störungen durch ein „Antisexistisches Bündnis“, das zu einer „Antisexistischen (Walpurgis) Demo“ zum Christival-Start aufruft.
„Wir wollen Widerstand und Protest organisieren, weil dort in modernem Gewand (mit viel Popkultur) extrem konservative und rechte Weltbilder verbreitet werden, die gekennzeichnet sind von einer wortgetreuen Bibelinterpretation, Homophobie und Sexismus“, heisst es in einem Flugblatt des Bündnisses. Es behauptet, dass Christival vor allem wegen eines auf öffentlichen Druck hin abgesagten Seminars „Wege heraus aus homosexuellem Begehren“ von der „mehr als fragwürdigen Organisation ‚Wüstenstrom’“ in die Kritik geraten sei. Durch die Absage des Seminars sei der „reaktionäre Gehalt“ jedoch kaum geschmälert. Am Christival wirke auch der Verein „Die Birke“ mit, deren Beratungseinrichtung „gegen Abtreibung hetzt“. Ausserdem würden bei dem Kongress auch Seminare angeboten, „in denen die Ehe als einzig mögliche Lebensform propagiert und Sex vor der Ehe verteufelt wird“.
Nach Angaben des „Antisexistischen Bündnisses“ beteiligt sich an den Protesten auch die „FrauenLesbenTrans-Demo“, die bisher jeweils am Abend des 30. April in Oldenburg stattgefunden hat.
Christival-Pressesprecher Volke wirft dem Antisexistischen Bündnis vor, mit Falschinformationen gegen das Christival Stimmung zu machen. So habe der Titel des inzwischen abgesagten Seminars „Homosexuelle verstehen – Chance zur Veränderung“ gelautet und sollte auch nicht von „Wüstenstrom“ angeboten werden.
Der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion von „Bündnis 90/Die Grünen“, Volker Beck, hatte mit seinem Protest gegen dieses Seminar den Streit um das Christival ausgelöst. Der Politiker, der nach eigenen Angaben in einer schwulen Lebensgemeinschaft lebt, lehnt Therapieangebote für Personen, die unter ihrer homosexuellen Orientierung leiden und Veränderung wünschen, als „gefährliche Scharlatanerie“ ab.
Unterdessen hat sich die EKD vor das Christival gestellt. Der Präsident des Kirchenamtes, Hermann Barth (Hannover), schrieb an den Christival-Vorsitzenden, Roland Werner (Marburg): „Wir nehmen das Christival und dessen Vorsitzenden vor den ungerechtfertigten und masslosen Angriffen in Schutz.“ Die EKD teile zwar nicht „die sehr weit gehenden Vorstellungen der Seminaranbieter über die Therapiebedürftigkeit von Homosexualität und ihre Zugänglichkeit für Therapie“. Allerdings könne die EKD „die Verunglimpfung der Kreise“, die die Überzeugungen der Anbieter des Seminars teilten, nicht unwidersprochen lassen.
In der Kleinen Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen vom Januar würden diese Kreise pauschal als „religiöse Fundamentalisten“ hingestellt. „Eine solche Herabsetzung lässt sich in gar keiner Weise rechtfertigen“, so Barth. Die Besorgnis sei begründet, dass die „diffamierenden Angriffe auf das Seminarangebot das Christival insgesamt treffen sollten“.
Das seit 1976 in Abständen von fünf bis sechs Jahren veranstaltete Christival erwartet in Bremen zwischen 15.000 und 20.000 Teilnehmer. Rund 13.000 haben sich bisher angemeldet.
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