EKD lehnt Schöpfungslehre ab
(02. April 2008/idea) – Die Überzeugung, dass die Welt genauso entstanden ist, wie es die Bibel berichtet (Kreationismus), ist aus theologischen Gründen abzulehnen. Das schreibt das Leitungsgremium der EKD, der Rat, in einer Orientierungshilfe, die am 1. April mit dem Titel „Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube in der Schule“ veröffentlicht worden ist.
Nach Ansicht der Autoren setzen sich Kreationisten über bibelwissenschaftliche und systematisch-theologische Einsichten hinweg und missachten die geschichtlichen Zusammenhänge der Bibelentstehung.
Der Versuch von Vertretern des „intelligenten Designs“, mit Hilfe naturwissenschaftlicher Methoden das Eingreifen Gottes in die Evolution zu beweisen, bringe Gott in die „zweifelhafte Rolle eines Lückenbüssers“. Mit jeder neuen naturwissenschaftlichen Erkenntnis werde Gott dann unweigerlich aus der Welt hinausgeschoben. „Intelligentes Design“ betreibe zwar einen beträchtlichen wissenschaftlichen Aufwand, könne vor den Prüfkriterien strenger Wissenschaft aber nicht bestehen und müsse deshalb als pseudowissenschaftlich eingestuft werden. Evangelischer Religionsunterricht könne den Kreationismus thematisieren, ihn jedoch nicht vertreten.
Nicht minder kritisch sieht der Rat der EKD den Versuch von Atheisten wie dem englischen Biologen Richard Dawkins (Oxford), mit naturwissenschaftlichen Argumenten dem Glauben an Gott die Grundlage zu entziehen. Auch hier werde das Missverständnis eines „Lückenbüssergottes“ aufgebaut, um dann zu zeigen, dass man die Entstehung der Welt und des Lebens auch ohne Gott erklären könne. Der „neue Atheismus“ schrecke auch vor der Verunglimpfung von Glaubensinhalten nicht zurück. „Die Entwicklungen der wissenschaftlichen Theologie, die Leistungen der historisch-kritischen Exegese biblischer Texte und die ethische Kraft des Christentums hingegen werden in keiner Weise zur Kenntnis genommen“, heisst es in der Orientierungshilfe.
Als Konsequenz für die Schule schlägt das Papier fächerverbindende Einheiten vor, in denen sich Kinder und Jugendliche mit Schöpfungsglauben und Evolutionstheorie auseinandersetzen. Das Gebot der weltanschaulichen Neutralität des Staates bedeute nicht, dass Religion in der staatlichen Schule nicht vorkommen dürfte oder dass Schüler überhaupt davor bewahrt werden müssten, religiösen Ausdrucksformen zu begegnen. In solchen Einheiten sollten auch Verzerrungen der Evolutionstheorie zur Sprache kommen – etwa in den Medien weit verbreitete populär- oder pseudowissenschaftliche Darstellungen, die aus der Evolutionstheorie eine Weltanschauung machten, die den Glauben überflüssig werden lasse.
Die Orientierungshilfe wurde federführend von dem Theologen Prof. Michael Beintker (Münster) und dem Religionspädagogen Prof. Friedrich Schweitzer (Tübingen) erarbeitet.
Die sich mit Schöpfungswissenschaft befassende Studiengemeinschaft „Wort und Wissen“ (Baiersbronn/Nordschwarzwald) hält die Analyse des EKD-Papiers für unzureichend. Reinhard Junker, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Organisation, sagte auf Anfrage von idea, Schöpfungsglaube erwarte ein reales Handeln Gottes in der Welt und nicht nur eine Deutung der Natur. Wenn es in Psalm 33 über Gott heisse „Er spricht, und es geschieht“, dann dürfe man davon ausgehen, dass sich das auch in der Schöpfung niederschlage.
Junker kritisiert, dass die EKD-Orientierungshilfe das zentrale Motiv der Evolutionsgegner übergehe: Nach deren Ansicht lasse sich nämlich die biblische Sicht, dass Sünde und Tod erst nach der Erschaffung des ersten Menschenpaares in die Welt kamen, nicht mit der Sicht der Evolutionsbiologie vereinbaren. Evolution betrachte den Tod als eine Voraussetzung für die Weiterentwicklung des Lebens. Demnach wäre der Mensch schon fehlerhaft in die Welt gekommen und sei darum an seiner Sünde letztlich unschuldig. „Dass Jesus Christus laut Neuem Testament die Sünde der Menschen stellvertretend getragen hat, passt nicht zu einer evolutiven Entstehung des Menschen“, so Junker. Er mahnte auch an, die Evolutionstheorie wissenschaftlich zu hinterfragen, weil sie sonst zum Dogma werde.
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