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Evangelikale sind noch nicht „kampagnenfähig“

(01. April 2008/idea) – Die Evangelikalen sind noch zu wenig miteinander vernetzt, um einen grösseren Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen zu können. Dieser Ansicht ist der Leiter des theologisch konservativen Gemeindehilfsbunds, Pastor Joachim Cochlovius (Walsrode).

Die evangelikale Bewegung sei noch nicht „kampagnenfähig“, sagte Cochlovius auf einem Kongress zur „Geschlechterkrise und ihre Überwindung aus christlicher Sicht“ gegenüber idea. Daran nahmen am 29. März im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen (Walsrode) rund 300 Personen teil.

Der Theologe bezeichnete es als ein „Gebot der Stunde“, dass sich bekennende Gemeinden beispielsweise gegen das sogenannte Gender Mainstreaming gemeinsam formieren. Darunter versteht man den Versuch, die Gleichstellung von Mann und Frau auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen. Diese Vorstellung entspreche, so Cochlovius, nicht dem biblischen Menschenbild, wonach Männer und Frauen von Gott unterschiedliche Fähigkeiten und Aufgaben anvertraut bekommen haben. „Die göttliche Schöpfungsordnung wird durch das Gender Mainstreaming aufgehoben“, sagte Cochlovius.

Nach seinen Worten legt die evangelikale Bewegung einen Schwerpunkt auf Evangelisation und Gemeinschaftspflege. Das öffentliche Eintreten für christliche Positionen in der Gesellschaft komme zu kurz. „Es reicht nicht aus, diese Aufgabe an die Vertreter einzelner Verbände wie die Evangelische Allianz oder den Gnadauer Gemeinschaftsverband zu delegieren.“ Christen sollten sich mehr ihrer öffentlichen Verantwortung bewusst werden und sich auch engagieren, forderte Cochlovius.

Der Vorsitzende der Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), rief die bekennenden Christen auf, sich übergemeindlich zusammenzuschliessen, um „dem Pessimismus und dem Zeitgeist“ zu wehren. Spaltungen und unterschiedliche Ansichten in Stilfragen müssten in der evangelikalen Christenheit überwunden werden, um gemeinsam wirken zu können. Zudem sollten sich Kirchenmitglieder umgemeinden lassen, wenn in ihrer eigenen Gemeinde die Bibel „häretisch verfälscht“ oder „Häresie in den Gemeinden geduldet und gefördert wird“. 

Rüß kritisierte mehrere Kirchenvertreter scharf für ihr Eintreten für die feministische Theologie und die „Bibel in gerechter Sprache“. Wenn die Bischöfinnen Bärbel Wartenberg-Potter (Lübeck) und Margot Käßmann (Hannover) sowie der hessen-nassauische Kirchenpräsident Peter Steinacker (Darmstadt) diese Bibelübertragung unterstützten, zeige das die geistliche Notlage der evangelischen Kirche. Rüß bezeichnete die „Bibel in gerechter Sprache“ als „Irrlehre, die die Kirche gefährdet und spaltet“. Das Hauptproblem dieser Bibelübertragung sei, dass sich alle biblischen Texte einem „ideologischen Gerechtigkeitsanspruch“ unterwerfen müssten. Aufgrund einer solchen Manipulation sei sie nicht mehr „Wort Gottes oder Heilige Schrift“.

Veranstalter des Kongresses waren der Gemeindehilfsbund, das Gemeindenetzwerk – ein Zusammenschluss von rund 70 bibel- und bekenntnisorientierten Gemeinden, Gemeinschaften und Verbänden innerhalb der Landeskirchen – sowie die Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands. Zu ihr gehören 21 Organisationen und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) als Gastmitglied.

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