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Kenia: Aufruf zur Versöhnung
(04. April 2008/idea) – Evangelikale haben in Kenia eine landesweite Versöhnungstour durchgeführt. In dem ostafrikanischen Land waren nach der Präsidentschaftswahl vom 27. Dezember blutige Unruhen zwischen Angehörigen verschiedener Volksstämme ausgebrochen.
Rund 1.000 Menschen kamen ums Leben, etwa 400.000 wurden vertrieben. Bei der Stimmenauszählung soll es zu Unregelmässigkeiten gekommen sein. Präsident Mwai Kibaki erklärte sich zum Wahlsieger; Oppositionsführer Raila Odinga fühlte sich um den Sieg betrogen. Kibaki gehört dem Stamm Kikuyu, Odinga den Luo an. Ende Februar unterzeichneten beide Politiker eine Vereinbarung zur Beilegung des Machtkonflikts.
Die Initiative für die zehntägige Versöhnungstour im März ging von der Nairobi Chapel – einer 4.500 Mitglieder zählenden Brüdergemeinde - und ihrem leitenden Pastor Oscar Muriu aus, berichtet das Missionshaus Bibelschule Wiedenest (Bergneustadt bei Gummersbach). Mit Bussen reisten rund 300 Evangelikale verschiedener Kirchen und Gemeinden fast 2.000 Kilometer von Mombasa über Nairobi nach Kisumu am Viktoria-See, um verfeindete Christen zu einem geistlichen Neuanfang aufzurufen.
Die Stammesrivalitäten könnten nicht politisch gelöst werden, so Muriu. Nötig sei eine Veränderung der Herzen. An einigen Orten hätten Pastoren die Häuser der eigenen Gemeindemitglieder angezündet, nur weil sie einer anderen Volksgruppe angehörten.
Als persönliche Assistenten von Muriu begleiteten die Wiedenester Missionare Daniel und Nancy Flechsig die Tour, die in der Nairobi Chapel arbeiten. Nach Angaben von Daniel Flechsig hatten die Gewaltausbrüche auch geistliche Ursachen. So sei es vor allem in jenen Städten zu Übergriffen gekommen, in denen die Politiker vor der Wahl Magier, Wahrsager und Zauberer eingeladen hätten, dort an eigens errichteten Altären Flüche und Verwünschungen auszusprechen. Sie hätten damit bösen Mächten Tür und Tor geöffnet. So sei aus dem Kampf um Wählerstimmen ein geistlicher Kampf geworden.
Das Anliegen der Versöhnung sei weithin positiv aufgenommen werden. Nach anfänglichem Zögern hätten sich Besucher bei bis zu vierstündigen Gottesdiensten aus verschiedenen Volksstämmen in den Armen gelegen, miteinander geweint und sich versöhnt. Flechsig: „Ein Bischof bat in aller Öffentlichkeit seinen Amtskollegen um Vergebung für das, was sein Stamm verschuldet hat.“ An jedem Ort hätten die Gottesdienstbesucher Abendmahl gefeiert. Unter Bedürftigen seien zudem 10.000 Hilfspakete mit Kleidung und 65 Tonnen Lebensmittel verteilt worden.
Es habe allerdings auch schmerzliche Begegnungen gegeben. So habe man in der Stadt Elderot einen Pfingstpastor kennengelernt, dessen Gemeindehaus während der Unruhen angezündet wurde. Dabei kamen seine Frau und sein Kind ums Leben. Allein in der Provinz Rift Valley (Grabenbruch) wurden 40 Kirchen zerstört. Von den 33,5 Millionen Einwohnern Kenias sind 79 Prozent Kirchenmitglieder. Knapp zwölf Prozent gehören Stammesreligionen an, und acht Prozent sind Moslems.
Der Leiter des Missionshauses Bibelschule Wiedenest, Gerd Goldmann, zeigte sich beeindruckt von der Initiative. Muriu und seine Mitarbeiter hätten sich mit aller Energie für Busse und Versöhnung engagiert. Muriu war im vergangenen Jahr ein Hauptreferent der Internationalen Missionskonferenz der Brüderbewegung in Wiedenest. Das Missionshaus betreut 130 Missionare in 17 Ländern.
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