Sünde ist kein Produkt der Evolution
(10. April 2008/rh.) - Die Studiengemeinschaft "Wort und Wissen" nimmt Stellung zum EKD-Papier gegen Kreationismus.
Das Leitungsgremium des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) veröffentlichte am 1. April 2008 eine „Orientierungshilfe“ mit dem Titel „Weltentstehung, Evolutionstheorie und Schöpfungsglaube in der Schule“. Darin wird die Überzeugung, dass die Welt genauso entstanden ist, wie es die Bibel berichtet („Kreationismus“) nicht aus wissenschaftlichen, sondern aus theologischen Gründen abgelehnt.
Die EKD wendet sich einerseits gegen das Vertrauen in den biblischen Schöpfungsbericht. Der „Kreationismus“ missachte bibelwissenschaftliche und systematisch-theologische Einsichten und die geschichtlichen Zusammenhänge der Bibelentstehung. Urteilt die EKD-Spitze in ihrem Positionspapier. Auch der „Intelligent Design“-Ansatz wird abgelehnt, weil er Gott in die „zweifelhafte Rolle eines Lückenbüssers“ bringe und weil er pseudowissenschaftlich vorgehe. Daher könne evangelischer Religionsunterricht den Kreationismus zwar thematisieren, ihn jedoch nicht vertreten. Für die Schule wird fächerverbindender Unterricht empfohlen.
Anderseits wendet sich der EKD-Text auch gegen den Versuch von Atheisten wie dem englischen Biologen Richard Dawkins, mit naturwissenschaftlichen Argumenten dem Glauben an Gott die Grundlage zu entziehen. Die Kritik gleicht hier der Kritik am Kreationismus: Missachtung bibelwissenschaftlicher Ergebnisse und ein verkehrtes Verständnis von einem Lückenbüssergott.
Die Studiengemeinschaft Wort und Wissen (Baiersbronn) nimmt dazu Stellung. Der Schöpfungsglaube sei eben „mehr als nur eine Deutung der Natur, sondern begreift das Handeln Gottes in und an der Welt als realen Akt, wie es die Heilige Schrift bezeugt: er spricht und es geschieht (Psalm 33,9)“. Dass Gottes Schöpfungshandeln naturwissenschaftlich Fassbares sprenge, werde auch an den Vollmachtstaten Jesu deutlich, wie sie die Evangelien bezeugten (Heilungen, Totenauferweckungen, Naturwunder). „Wort und Wissen“ fragt: „Würde sich das Schöpfungshandeln Gottes in den regelhaften Prozessen der Natur erschöpfen, wie könnte dann auf sein helfendes Eingreifen gehofft werden?“
Man stimme zu, dass Gottes Schöpfungshandeln nicht durch Naturwissenschaft nachgezeichnet oder bewiesen werden können. Es sei aber legitim, in einem naturwissenschaftlichen Kontext nach Hinweisen in der Schöfpung zu suchen, die sich als Zeugnisse auf Gottes Schöpfungshandeln in einem ausserwissenschaftlichen Rahmen interpretieren liessen. Den Intelligent-Design-Ansatz "ohne nennenswerte Darstellung und Begürndung" als "pseudowissenschaftlich" pauschal abzulehnen, sei unseriös.
„Wort und Wissen“ bemängelt weiter, dass die zentrale theologische Motivation der Evolutionskritiker wie in vielen anderen kirchlichen Stellungnahmen auch im EKD-Papier nicht thematisiert werde, „nämlich der heilsgeschichtliche Zusammenhang zwischen der Erschaffung des ersten Menschenpaares sowie dem Einbruch von Sünde und Tod in die Schöpfung auf der einen Seite, und dem Kommen, Leiden, Sterben und der Auferstehung Jesu auf der anderen Seite“. Doch das stärkste systematisch-theologische Lehrschreibens des Apostels Paulus, der Römerbrief, thematisiere genau dies an zentraler Stelle (Röm 5,12ff.; 8,19ff). Danach kamen Sünde und Tod erst nach der Erschaffung des ersten Menschenpaares in die Welt (Röm 5,12ff.).
Das bedeute: „Sünde ist demnach nicht ein Produkt der Evolution und der Tod nicht eine Voraussetzung für die Entstehung allen Lebens. Wäre der Mensch durch Evolution aus dem Tierreich entstanden, wäre er als Sünder erschaffen worden und darum an seiner Sünde letztlich unschuldig. Dass Jesus Christus die Sünde der Menschen stellvertretend getragen hat, passt daher nicht zu einer evolutiv gedeuteten Geschichte des Menschen.“
Dass in einer theologischen Stellungnahme nicht auf diese zentrale biblische Wahrheit eingegangen wird, ist unverständlich. Dass es Theologen gibt, die hier durchaus nicht mit der EKD-Führung übereinstimmen, zeigt unter anderem der Kommentar von Reiner Vogels.
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