Vogel-Evolution: Gerupfter Stammbaum
(27. Juni 2008/rh.) – Der im Rahmen der Evolutionstheorie festgelegte Stammbaum der Vögel wird durch eine aktuelle Erbgutstudie ganz ordentlich durcheinandergebracht.
Der evolutionäre Stammbaum der Vogelarten beruht vielfach auf Analogien. Doch das Äussere kann gewaltig täuschen. Ähnlichkeit ist noch lange nicht gleich Verwandschaft. Das zeigt ein Vergleich des Erbmaterials von 169 Vogelarten. Vogelarten, die aufgrund ihres Körperbaus oder ihrer Lebensweise nah verwandt als nah verwandt galten, sind es nicht.
Die Untersuchung von Shannon Hackett und Kollegen (Field Museum Chicago) ergab, dass die Einteilung in Land-, Wasser- und Küstenvögel sich vielfach nicht deckt mit der genetischen Klassifikation.
Wasserliebende Flamingos beispielsweise sind genetisch nicht so nah verwandt mit anderen Wasservögeln wie gedacht, und der Kuckuck ist genetisch gesehen nicht sehr nahe verwandt mit anderen Landvögeln. Andererseits sind Vögel, die sich äusserlich nicht sehr ähneln, wie Spechte, Eulen und Nashornvögel, sehr nahe Verwandte, zitiert „Spiegel online“ das Fachblatt "Science".
Über einen Zeitraum von rund fünf Jahren wurden verschiedene Abschnitte im Erbgut verschiedenster Vogelarten untersucht. Im Anschluss wurden die analysierten genetischen Sequenzen genutzt, um einen Stammbaum zu rekonstruieren. Dabei zeigte sich Unerwartetes, etwa dass Falken genetisch enger mit Singvögeln denn mit Habichten und Adlern verwandt sind. Die kleinen auffälligen Kolibris sind den Erkenntnissen der Forscher zufolge hingegen eine spezialisierte Form der eher gedrungenen und massigen Nachtschwalben, also auch eher ungewöhnliche Verwandte.
Generell liessen sich den neuen Untersuchungen entsprechend Vögel in drei Gruppen einteilen, Landvögel wie der Sperling, Wasservögel wie der Pinguin und Küstenvögel wie Möwe.
Die Genanalyse wiederum führte zu neuer Verwirrung. Einige fliegende Vögel wie die Steisshühner werden neu mit flugunfähigen Straussen und Emus gruppiert. Demzufolge müsste sich die Flugunfähigkeit mindestens zweimal im Laufe der Evolution herausgebildet oder die Steisshühner sich aus flugunfähigen Vögeln "zurückgebildet" haben!
Auch die genetischen Vergleiche erlauben es nicht, eingen einigermassen gültigen Vogelstammbaum aufzustellen.
Woher kamen die Vögel? Die Wissenschaft nimmt an, dass die gefiderten Tiere aus kleinen Raubdinosauriern hervorgegangen sind. Die modernen Vögel, wie wir sie kennen, haben sich nach den Vorstellungen der Evolutionsbiologie in einem Zeitraum von wenigen Mio. Jahren in alle diese Formen entwickelt, die wir heute sehen können.
Interessant ist die Erklärung, die der Untersuchung mitgeliefert wird. Als Grund für das schwierige Verständnis der Vogel-Evolution wird die „explosionsartige Vergrösserung der Artenvielfalt vor 65 Millionen Jahren“ angegeben. Wegen dieses rapiden Anstiegs der Zahl der Arten habe es kaum Zwischenformen gegeben, „die es ermöglicht hätten, mit den bisher bekannten vergleichenden Methoden die Verwandtschaftsverhältnisse der Vögel festzustellen“.
Die Genomstudie zeige, dass sich verschiedene Lebensweisen und äussere Merkmale von Vögeln im Laufe der Evolution mehrmals unabhängig voneinander entwickelt hätten. Jetzt könne man eine präzisere Einteilung der Vogelarten auf der Basis ihrer Erbanlagen vornehmen.
Nach dem biblischen Bericht schuf Gott die Vögel am fünften Tag. „Und Gott sprach: Es sollen die Wasser vom Gewimmel lebender Wesen wimmeln, und Vögel sollen über der Erde fliegen unter der Wölbung des Himmels! Und Gott schuf die grossen Seeungeheuer und alle sich regenden lebenden Wesen, von denen die Wasser wimmeln, nach ihrer Art, und alle geflügelten Vögel nach ihrer Art. und Gott sah, dass es gut war. Und Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar und vermehrt euch, und füllt das Wasser in den Meeren, und die Vögel sollen sich vermehren auf der Erde.“
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