Grossmufti fordert ein Europa-Kalifat
(30. Juni 2008/fa.) - Der Grossmufti von Bosnien-Herzegowina, Mustafa Cerić, hat in einem Artikel eine einzelne grosse Autorität der Muslime in Europa gefordert. Diese müsse auf der "unverhandelbaren, ewigen Scharia" basieren, so Cerić gemäss dem Medienmagazin „pro“.
Die "European View" ist eine Zeitschrift des "Zentrums für Europäische Studien" (Center for European Studies, CES), einer Brüsseler Denkfabrik. Diese gehört der "Europäischen Volkspartei" (EVP oder "European People's Party, EPP) an. Die EVP ist ein Zusammenschluss christlich-demokratischer und konservativ-bürgerlicher Parteien in der Europäischen Union, zu der mittlerweile 40 Parteien aus 24 Mitgliedstaaten der EU Mitglieder gehören. Zu ihren Gründungsparteien gehören die CDU und die CSU.
Die Ausgabe Dezember 2007 der "European View" hatte das Titelthema "Religion und Politik". Der Grossmufti von Bosnien-Herzegowina schrieb darin in einem achtseitigen Artikel über die "Herausforderung einer einzigen Muslim-Autorität in Europa". Das Medienmagazin „pro“ berichtete darüber ausführlich.
"Wir Muslime brauchen einen starken Papst", sagte Cerić bereits vor zwei Jahren gegenüber der Wochenzeitung "Die Zeit". Cerić betont in seinem "European View"-Artikel die Notwendigkeit, bei einer Bündelung der muslimischen Strömungen in Europa unter einer Führung auf die Scharia zu achten.
"Langsam entwickelt sich eine alleinige muslimische Autorität in Europa", stellt Cerić zu Beginn seines englischsprachigen Artikels fest. "Die Frage nach einem Imamat als 'oberste Führung' aller Muslims, der 'Umma', (...) ist die zentrale Frage der derzeitigen Situation, nicht nur für die muslimischen Kerngebiete, sondern auch für die muslimische Peripherie, einschliesslich Europas", schreibt der Obermufti von Bosnien-Herzegowina, wo rund zwei Millionen Muslime leben. Ziel sei es, den Islam in Europa zu institutionalisieren.
Die rund 30 Millionen Moslems in Europa würden in Europa lediglich geduldet. "Es reicht nicht, dass Europa die Anwesenheit des Islam auf seinem Gebiet anerkennt. Die Moslems haben mehr als das verdient. Sie verdienen, dass ihre Anwesenheit legalisiert wird." Die Moslems müssten in "Institutionen repräsentiert" werden, "die Unterstützung von den Regierungen und in der öffentlichen Wahrnehmung bekommen". Als gutes Beispiel hebt Cerić die Gründung der Islamischen Konferenz in Deutschland hervor, in der Muslime mit einer Stimme sprechen könnten. Eine solche Organisation könne dazu führen, dass sich Moslems in Europa nicht mehr nur als Gäste, sondern auch als Gastgeber fühlen könnten.
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