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Der Libanon jubelt, Israel weint

(21. Juli 2008/inn.) - Mit dem Gefangenenaustausch zwischen Israel und der Hisbollah haben beide Kriegsparteien vom Sommer 2006 ihr Kriegsziel erreicht: Israel die beiden Soldaten Ehud Goldwasser und Eldad Regev - die Hisbollah Samir Kuntar.

Kuntar hatte 1979 eine Familie im nordisraelischen Naharija mit äusserster Brutalität ausgelöscht und sass seither im Gefängnis. Der Druse, der im Auftrag der säkularen Palästinensischen Befreiungsfront ausgezogen war, um möglichst viele Israelis zu ermorden, ist nicht nur der "dienstälteste" libanesische Gefangene in Israel, sondern auch das Symbol des "nationalen Widerstands" seines Landes.

Für die Rückkehr Kuntars bezahlte Hisbollah-Chef Nasrallah mehr als 1.200 Todesopfer und unglaubliche Zerstörungen in seinem Heimatland. Durch den Staatsempfang für den Rückkehrer haben Präsident, Premierminister und Parlamentssprecher des "pro-westlichen" Libanon jetzt das Kalkül der Hisbollah öffentlich abgesegnet. Israel dagegen hat kaum mehr als 160 Todesopfer durch den einmonatigen Waffengang im Sommer vor zwei Jahren zu beklagen. Im Vergleich zum Libanon waren die materiellen Kriegsschäden auf israelischer Seite geradezu lächerlich. Während jetzt nach Israel zwei Tote überführt wurden, trafen im Libanon 199 Särge ein.

Trotzdem bringt die Hisbollah-Propaganda auf den Punkt, was auch in Israel niemand bestreiten würde. Das Kriegsergebnis ist "Schmerz in Israel - Jubel im Libanon". Während sich in Israel Spitzenpolitiker und Militärs ihrer Tränen nicht schämen, empfängt der Libanon seine "Helden" und "Märtyrer" mit Siegesparaden und grossmundigen Verheissungen für die Zukunft des Kampfes.

Der Grund dafür ist auf israelischer Seite der ewige Schatten des Holocaust. Die Erfahrung, dass angesichts der Vernichtung von mehr als sechs Millionen Juden niemand einen Finger rührte. Die Denke: Wenn wir uns selbst nicht helfen, hilft uns niemand. Und daraus resultierend die Raison d'Être des Staates Israel, jedem Juden in Not zu helfen.

Verteidigungsminister Ehud Barak erklärte an Regevs offenem Grab: "Israel wird auch in Zukunft alles tun, um seine Soldaten zurückzubringen - lebend, verletzt oder tot."

In seinem Beileidsanruf bei der Familie Goldwasser erklärte Staatspräsident Schimon Peres: "Auf der anderen Seite sind Leute, deren Gott ein Gott des Terrors ist. Das ist nicht unser Gott. Das sind nicht unsere Werte. Unsere Entscheidungsträger hatten Prinzipien im Kopf, nicht Preise." In der israelischen Gesellschaft wird jetzt heftigst diskutiert, was der Staat künftig dafür bezahlen muss, dass der Preis in diesem Fall nicht bedacht wurde. Die Hamas jedenfalls ist sich gewiss, dass der jüngste Austausch den Preis für Gilat Schalit, der im Gazastreifen gefangen gehalten wird, gewaltig in die Höhe getrieben hat.

Hassan Nasrallah kennt die israelische Mentalität sehr gut. Schon während des Zweiten Libanonkrieges wusste er: Jeder Tote ist ein Sieg für uns! Die Frage ist, wann Israel Mittel und Wege findet, dieser Herausforderung effektiv begegnen zu können.
Quelle: Israelnetz



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