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Kaum noch Kritk an Alternativmedizin

(29. Juli 2008/idea) – Die Alternativmedizin ist in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Kritische Nachfragen würden kaum noch beachtet, beklagt Michael Utsch, wissenschaftlicher Referent der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW).

Wie er im Materialdienst dieser Berliner Einrichtung schreibt, verordnen knapp zwei Drittel der deutschen Ärzte etwa bei Krebs unkonventionelle Methoden, hauptsächlich auf Wunsch der Patienten. „Wer verhindert jedoch, dass die Hilfesuchenden beispielsweise in den Fängen der Neuen Germanischen Medizin landen?“ fragt Utsch.

Nach Recherchen betroffener Angehöriger seien weit mehr als 100 Todesfälle auf medizinische Behandlungsfehler dieses Verfahrens zurückzuführen.

Dem EZW-Referenten zufolge haben die Auseinandersetzungen zwischen Schul- und Alternativmedizin abgenommen.

Mittlerweile erstatteten die Krankenkassen pro Jahr Naturmedizin im Wert von zwei Milliarden Euro; den gleichen Betrag gäben sie für alternative Therapien aus. Darüber hinaus zahlten Patienten jährlich rund fünf Milliarden Euro für alternativmedizinische Therapien selbst. 

Mit der zunehmenden Verbreitung nähmen kritische Nachfragen ab. Das zeigten zwei neuere Publikationen. So stelle das Handbuch „Alternativ heilen“ Naturheilverfahren, etwa mit Heilpflanzen, ohne Einschränkungen mit esoterischen Methoden wie Schamanismus oder „feinstofflichen“ Therapien gleich. Das „Grosse Buch der ganzheitlichen Therapien“ werbe mit 60 Beiträgen für „grösstenteils fragwürdige Heilverfahren, die weit ins Spekulative hineinreichen“, so Utsch.

Neben Umweltmedizin oder Musiktherapie würden Geistheilung, Reiki, Selbstheilung und Steinheilkunde vorgestellt. Utsch: „Wissenschaftliche Distanz und Neutralität lässt dieses Handbuch gänzlich vermissen.“

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