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Kindermangel in Ostdeutschland

(22. August 2008/rh.) – Die Schlagzeile auf „Spiegel online“ klingt dramatisch: „Kindermangel macht Ostdeutschland zu Notstandsgebiet“. Manche Landkreise werden über die Hälfte ihrer Einwohner verlieren. Das sagt eine neue Studie.

Bis zum Jahr 2018 werden manche Landkreise in Ostdeutschland über die Hälfte ihrer Einwohner verlieren. Das zumindest schreiben die Autoren einer neuen Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Grund ist die Abwanderung vieler junger Frauen. Die Generation künftiger Eltern wird immer dünner, weniger Kinder werden geboren.

Die Studie prüfte insgesamt 285 europäische Regionen anhand von Kinderzahl, Einkommen, Arbeitslosigkeit.
"Deutschland fällt als am deutlichsten gespaltenes Land in Gewinner- und Verliererregionen auf", zieht Reiner Klingholz vom Berlin-Institut Fazit. Oberbayern zählt in der Studie zu den Aufsteigern, Sachsen-Anhalt bildet das Schlusslicht. Von 285 untersuchten Regionen in Europa landete das ostdeutsche Bundesland auf Platz 241. Sonst sind in diesem Bereich eher entlegene Gebiete in Rumänien, Bulgarien, Polen oder Süditalien zu finden.

Verglichen wurden die 27 EU-Staaten sowie Island, Norwegen und die Schweiz. Auf Platz eins rangiert Island, gefolgt von Stockholm und Oslo. Die beiden letzten Plätze belegen bulgarische Gebiete. Als zukunftsfähigste Regionen Deutschlands folgen nach Oberbayern Freiburg, Tübingen und Stuttgart. Mecklenburg-Vorpommern schneidet nur knapp besser ab als Sachsen-Anhalt.

Am deutlichsten zeigt sich das Problem an der Zahl der geborenen Kinder: In Ostdeutschland wie auch in den anderen Problemregionen Europas liegt die Kinderzahl je Frau deutlich unter dem Wert von 2,1, bei dem die Bevölkerung langfristig stabil bleiben würde. So fällt die Bevölkerungsprognose bis zum Jahr 2030 düster aus: Unter den zehn am stärksten vom Schwund betroffenen Regionen Europas liegen mit Sachsen-Anhalt, Chemnitz und Thüringen drei in Ostdeutschland.

Das Fazit der Forscher: "Durch Deutschland verläuft nach wie vor eine Grenze zwischen den Systemen." Die Grenze trennt den hilfsbedürftigen Osten vom Westen.



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