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Design in Technik und Natur

(10. September 2008/kk.) - Evolution, Engineering, Bionik. Ist Design in Technik und Natur intelligent oder unintelligent? Das Ingenieurwesen macht die Bedeutung eines intelligenten Designers besonders deutlich.

Auch in Fachzeitschriften aus dem Bereich der Technik findet man Artikel mit Bezug zur Evolution. Ist die «Erfinderin Natur» das Pendant zum menschlichen Konstrukteur?

Technische Innovationen, pfiffige Lösungen und die Jagd nach immer kürzeren Taktzeiten sind Themen, die in einschlägigen technisch orientierten Fachzeitschriften behandelt werden und Ingenieurherzen höher schlagen lassen.

Doch manche Artikel wie «Der Evolution auf die Finger geschaut» oder «Vorbild Natur: In Jahrmillionen erprobt steigert sich die Natur zu höchster Effizienz» scheinen nicht hierher zu passen – so etwas würde man doch eher in einer Biologiezeitschrift erwarten. Auf den zweiten Blick sind solche Beiträge jedoch genau richtig platziert, denn sie präsentieren verblüffende, faszinierende technische Lösungen und Ideen, die von der Natur inspiriert sind.

Biologie und Technik reichen sich die Hand und man spricht von Bionik. Seinen Ursprung hat der Begriff, der sich im Deutschen passenderweise als Wortkombination aus Biologie und Technik darstellen lässt, in den USA. 1960 wurde auf einem Kongress in Dayton (Ohio) das griffige Wort «Bionics» verwendet. Die Bionik ist ein interdisziplinärer Bereich, in dem aus der Biologie abgeleitete Prinzipien und Konstruktionen in innovative Technik umgesetzt werden. Die Anwendungsfälle sind vielseitig und reichen von der bionischen Materialweiche (Fa. Festo) über den selbstreinigenden Lotus-Effekt bei Fassadenfarben bis zum Schiffsbau.

Ein Delfin gleitet anmutig durch das türkisfarbene Wasser. Am Hamburger Hafen pflügt sich ein grosses Schiff seinen Weg durch die Wogen. Was haben beide gemeinsam? Die Nasen natürlich! Die Delfin-Nase war das Vorbild für den Wulst-Bug, der heute bei allen grösseren Schiffen üblich ist. Durch die-se neue Bugform ist es möglich, schneller und energiesparender die Ozeane zu befahren. Die Delfin-Nase ist nur eines von vielen Beispielen, wo die belebte Natur der von Menschen gemachten Technik weit mehr als nur eine «Nasenlänge» voraus ist.

In der Bionik kommt man, wie kaum anders zu erwarten, ohne typisches Schöpfungsvokabular nicht aus: der «Lehrmeisterin» und «Erfinderin» oder dem «Konstrukteur» Natur wird eine «meisterhafte Erfindergabe» bescheinigt, die einen zum Staunen über ihre Phantasie und «Vielfalt ihrer Schöpfungen» bringen kann. Jedoch macht der führende Bioniker Werner Nachtigall deutlich, dass er mit dem Begriff «Schöpfung» keinen dahinter stehenden intelligenten Planer ins Spiel bringen will, sondern die Schöpfungskraft allein der Natur und ihren ungerichteten Prozessen zuschreibt. Für ihn gilt es sich gegenüber «Kreationisten und Fundamentalisten» abzugrenzen und zu verdeutlichen, dass man sich zwar glaubend zur Schöpfung bekennen könne, nicht aber zur Evolution, denn diese sei ein naturwissenschaftlich definierter Begriff. Glauben sei keine «wissenschaftlich gleichwertige Alternative zur Naturwissenschaft, wie Kreationisten uns weismachen wollen», es sei etwas ganz anderes. Nun, wer könnte ihm da widersprechen?

Natürlich ist Glaube keine wissenschaftliche Alternative. Offenbar begeht Nachtigall einen Kategorienfehler, der ihm ein nur allzu billiges Strohmann-Argument beschert. Auch der Leiter der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Volkswagen-Stiftung, Dr. C. Jung, setzt Glaube und Wissenschaft gleich. Er schreibt, dass «die Idee eines intelligenten Schöpfers eine Glaubensfrage ist». Dieser Glaube ist gegenüber einer «Theorie wie jene über die Prozesse von Mutation, Selektion» nicht wissenschaftlich.

Nachtigall wie Jung übersehen, dass sich bei der Ursprungsfrage die Glaubenssätze «intelligente Planung» (Teleologie) und «zufällige Entstehung» gegenüberstehen – sie bilden jeweils eine weltanschauliche Basis. Die teleologische und die nicht-teleologische Ursprungssicht sind gleichwertige, miteinander konkurrierende Positionen, die zwei Weltanschauungen skizzieren. In dem Grenzgebiet der Ursprünge begegnen sich Naturwissenschaft, Philosophie und Theologie. Auf beiden Glaubenssätzen (Paradigmen) kann man unter Anwendung der naturwissenschaftlichen Methode erfolgreich forschen. mehr...


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