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Bionik: Die Schöpfung ist das Vorbild
(11. September 2008/fa.) – Lange bleiben Schiffsrümpfe nicht glatt und sauber. Algen, Muscheln und Seepocken besiedeln die Oberfläche von Frachtern, Tankern und anderen Schiffen – und treiben die Treibstoffkosten in die Höhe. Jetzt haben sich Forscher von der Haut des Katzenhais inspirieren lassen.
(11. September 2008/fa.) – Lange bleiben Schiffsrümpfe nicht glatt und sauber. Algen, Muscheln und Seepocken besiedeln die Oberfläche von Frachtern, Tankern und anderen Schiffen – und treiben die Treibstoffkosten in die Höhe. Jetzt haben sich Forscher von der Haut des Katzenhais inspirieren lassen.
Für die Schifffahrt ist der oft armdicke Bewuchs seit altersher ein Problem. Abhilfe war lange Zeit nur durch hochgiftige Anstriche, meist mit zinnhaltigen Farben, möglich. Diese Gifte werden in die Meere ausgeschwemmt und verursachen ökologische Schäden. Diese zinnhaltigen Produkte werden jetzt weltweit verboten, so dass Schiffs- und Bootsbesitzer nach Alternativen suchen müssen.
Bislang sind das vor allem Silikon- und Teflonschichten. Jetzt hat das Bionik-Forschungslabor der Hochschule in Bremen ein Produkt entwickelt, das sich an der Haut des Katzenhais orientiert. Meerestiere nutzen in der Regel eine Kombination von Strategien, um sich vor ungebetenen Mitfahrern zu schützen. Oft spielen dabei auch chemische Abwehrstoffe eine Rolle.
Der Katzenhai ist der einzige Fisch, der gänzlich ohne chemische Substanzen auskommt. In die Unterhaut dieses Hais sind scharfe, sehr eng stehende Zähnchen eingebettet, die gegeneinander beweglich sind. Auf diesem flexiblen Stachelschild können sich Algen nicht festsetzen.
Antonia Kesel vom Bionik-Forschungslabor der Hochschule Bremen hat jetzt eine Paste auf der Basis von Silikon entwickelt, die mit haarkleinen Körnchen die Haut des Katzenhais imitiert. Nach dem Aufbringen bleibt dieser Belag weich und beweglich. Die Unebenheiten verschieben sich gegeneinander und bieten Algen und Muscheln keinen festen Grund.
Die künstliche Haihaut reduziert den Bewuchs um 70 Prozent, ergaben Tests in der Nordsee und im Mittelmeer und reicht damit an die Wirksamkeit chemischer Mittel heran. Allerdings entfaltet sich die Wirksamkeit nur richtig, wenn das Schiff durchs Wasser gleitet. Fehlt die Reibung des Wassers, setzen sich Muscheln und Algen fest. Der Bewuchs fällt wieder ab, wenn das Schiff Fahrt aufnimmt.
Auch die anderen biozidfreien Methoden funktionieren nur bei einer hohen Aktivität der Schiffe. Die Erfindung der künstlichen Haihaut birgt grosses ökonomisches Potential. Zunächst soll der Anstrich an Sportbootsbesitzer verkauft werden – ein wachsender und millionenschwerer Markt.
Gegenwärtig arbeitet Antonia Kesel an einer neuen Rezeptur, damit der Anstrich auch gesprüht werden kann. Damit könnte das Mittel auch bei sehr grossen Schiffen angewendet werden.
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