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Türkei: Neue Partei will extremen Nationalismus

(12. September 2008/csi.) - In der Türkei stellte sich eine neue Partei mit erklärt anti-christlichem Programm vor. Sie will in erster Linie gegen die «Missionierung durch das Ausland» auftreten. Ihr Hintergrund ist nicht etwa ein radikaler Islam, sondern extremer türkischer Nationalismus, der das Christentum – wie einst der Deutsche Nationalsozialismus –als einen rassischen Fremdkörper ansieht.

von Heinz Gstrein

In Ankara hat sich eine neue Nationalistenpartei vorgestellt. Schon im ersten Satz ihrer Gründungserklärung wendet sie sich gegen die «religiöse Kolonialisierung» der Türkei durch christliche Verkündigung: «Türkisches Volk, wir allein fühlen, wie überdrüssig du bist, dass deine Demokratie vom Ausland gelenkt wird, dass fremde Glaubensboten und christliche Missionare auf unserem Boden herumlaufen und dich herumkommandieren», beginnt das als ganzseitige Anzeige veröffentlichte Manifest
der «Partei für Recht und Gleichförmigkeit» («Hak ve Esitlik Partisi»).

Die Partei inserierte in zehn Tageszeitungen.
Partei-Gründer ist Ex-General Osman Pamukoglu, der vor allem für seine brutale
Rolle im Krieg gegen die kurdische Rebellenbewegung PKK bekannt ist. Pamukoglu befehligte in den wildesten Zeiten des Kurdenkrieges Mitte der 90er Jahre eine Einheit in der umkämpften südostanatolischen Gebirgsregion Hakkari. Dort wurden von ihm gleichzeitig auch die letzten bodenständigen assyrischen Christen
vertrieben. Anschliessend war er auf Nordzypern stationiert, wo die türkische Armee mit knapp 40‘000 Mann die international nicht anerkannte Türkische Republik Nordzypern (KKTC) beschützte. Aus ihr hatten 1974/75 eine Viertelmillion griechischorthodoxe und armenische Christen flüchten müssen.

Das Wirken christlicher Missionare ist in der Türkei auf dem Papier nicht verboten; es wird aber besonders von radikalen Rechtsnationalisten als staatsfeindlich und
«volkszersetzend» betrachtet. Im vergangenen Jahr wurden im osttürkischen
Malatya drei evangelische Aktivisten mit Messerstichen zu Tod gefoltert. Auch den
Mord an dem katholischen Priester Andrea Santoro im nordtürkischen Trabzon 2006
und mehrere weitere Angriffe auf christliche Geistliche in türkischen Städten begründeten die Täter mit ihrer «nationalen Empörung» über die Präsenz ausländischer Missionare.

Wie am Freitag der «Radikal» (türkische Tageszeitung) zum Problem fehlender
Rechte der Christen in der Türkei berichtet, sprach gleichzeitig mit dieser Parteigründung der türkischen «Christenfresser» eine Delegation europäischer Parlamentarier in Ankara und Istanbul vor: Die Türkei könne erst dann als
Beitrittskandidat zur Europäischen Union ernst genommen werden, wenn religiöse
Minderheiten nicht nur individuelle, sondern auch als Körperschaften Religionsfreiheit
in der Verfassung und in der gesellschaftlichen Wirklichkeit geniessen.

Gerade in dem von der Türkei selbst – um Touristen anzulocken –verkündeten Gedenkjahr an den Apostel Paulus 2008/09 sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, fordert der
christenfreundliche «Radikal».

Quelle: Christian Solidarity International



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