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„Kirche von England“ entschuldigt sich bei Darwin

(16. September 2008/idea./rh.) – Gestern eröffnete die anglikanische Kirche von England eine Internetseite, auf der sie sich unter anderem für Angriffe der Kirche auf den englischen Naturforscher posthum entschuldigt.

Anlass sind die bevorstehenden Darwin-Jubiläen im nächsten Jahr. Vor 200 Jahren, am 12. Februar 1809, wurde Charles Darwin (1809-1882) in Shrewsbury geboren, und vor 150 Jahren (1859) veröffentlichte er sein Hauptwerk „On the Origin of Species“ (Die Entstehung der Arten).

Schon zu Lebzeiten wurde Darwin scharf von Kirchenkritikern angegriffen, die seine Lehren im Widerspruch zu den biblischen Schöpfungsberichten sahen. Noch heute gehören christliche Vertreter des Kreationismus (Schöpfungslehre) zu den schärfsten Gegnern der Evolutionstheorie.

„Charles Darwin - 200 Jahre nach Ihrer Geburt schuldet Ihnen die Kirche von England eine Entschuldigung dafür, Sie missverstanden zu haben, und weil unsere erste Reaktion falsch war, haben wir andere ermutigt, Sie immer noch misszuverstehen“, schreibt nun der Direktor für Mission und Öffentlichkeit der Kirche, Malcolm Brown (London). In Darwins Erkenntnissen finde sich nichts, was im Widerspruch zu christlicher Lehre stehe. Jesus selbst habe dazu aufgefordert, die Welt zu beobachten und daraus auch Erkenntnisse über Gott zu erlangen. Brown: „Zwar glauben Christen, dass die Bibel alles enthält, was wir wissen müssen, um aus unserer Sünde errettet zu werden, aber sie behaupten nicht, dass die Bibel ein Kompendium allen Wissens sei.“

Für Brown ist es vernünftig, von einem Evolutionsprozess über Jahrtausende auszugehen. Man dürfe jedoch nicht die natürliche Auswahl auf das menschliche Zusammenleben übertragen und daraus ableiten, dass sich der Stärkere durchsetzen müsse. Vor diesem Sozial-Darwinismus müsse man Darwin selbst schützen, so Brown.

Die kirchliche Webseite geht auch auf Darwins religiösen Werdegang ein. Er besuchte ein anglikanisches Gymnasium und begann eine Priesterausbildung. Doch dann fühlte er sich von der Naturwissenschaft angezogen. Langsam verlor er seinen Glauben, der besonders durch den Tod seiner zehnjährigen Tochter Annie erschüttert wurde.

Von Anfang an wurde Darwins Theorie auch in Wissenschaftskreisen kritisiert. Sie enthielt Schwachstellen, die damals schon durch Mendel im Wesentlichen aufgedeckt wurden.

Offensichtlich ist, dass die Evolutionstheorie eine Entstehung der Welt ohne einen Schöpfer denkbar machte. Das hatte gleichzeitig einen Einfluss auf Ethik und Moral in der Gesellschaft. Der Einfluss des Christentums begann zu schwinden. Die Möglichkeit, sich wissenschaftlich erklärt die Welt ohne Schöpfer zu denken, trug mit zum Abfall vom Glauben bei. – Müsste sich eine Kirche nicht viel eher für ihren Unglauben gegenüber Gott entschuldigen?

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