Der nächste Sonnenzyklus ist lange überfällig
(25. September 2008/tl.) – Der nächste turnusmässige Zyklus der Sonnenflecken ist extrem überfällig. Mit Spannung warten Wissenschaftler auf das bereits seit einem Jahr erwartete Ende der ungewöhnlich langen Ruhephase in der Aktivität der Sonnenwinde.
Normalerweise durchlebt die Sonne in einem rhythmischen Wechsel Zyklen einer elf Jahre dauernden hohen Aktivität und einem anschliessenden Jahr der relativen Ruhe. In einem solchen Ruhejahr haben die Sonnenwinde nur eine geringe Intensität.
Bereits seit mehr als einem Jahr wird der Beginn des nächsten Sonnenfleckenzyklus erwartet. Es ist sehr ungewöhnlich, dass der Beginn eines neuen Zyklus so lange auf sich warten lässt. Seit der Mensch um diesen Rhythmus in der Aktivität der Sonne weiss, wurden 23 Sonnenzyklen beobachtet.
Bereits Ende des vergangenen Jahres und dann wieder im Januar und im März glaubten Wissenschaftler Anzeichen für den neuen Zyklus beobachten zu können. Aber es stellte sich jeweils heraus, dass diese Sonnenflecken aufgrund ihrer Polarität noch dem Abklingen des 23. Zyklus zugerechnet werden konnten. Sonnenflecken sind Folge von Veränderungen des magnetischen Feldes der Sonne.
Ebenso auffällig wie das lange Ausbleiben des neuen Sonnenfleckenzyklus ist, wie ausgeprägt die Ruhephase der Sonne dieses Mal ausfällt: Die Sonnenflecken haben die niedrigste Intensität seit dem Beginn ihrer wissenschaftlich präzisen Messung vor rund 50 Jahren. Das ist ein Ergebnis von Messungen der Sonde „Ulysses“.
Wie ein NASA-Sprecher der Nachrichtenagentur afp mitteilte, kann eine niedrige Sonnenaktivität die Heliosphäre der Sonne reduzieren. Die Heliospäre der Sonne wirkt, vergleichbar der Atmosphäre der Erde, wie ein Schutzgürtel. Der Zustand der Heliosphäre hat gravierende Auswirkungen für das ganze Sonnensystem, besonders für die belebte Erde.
Wenn die Heliosphäre in ihrer Ausdehnung und Kraft aufgrund der geringen Aktivität der Sonnenwinde zurückgeht, dringt mehr kosmische Strahlung zur Erde. Die lange Phase der Ruhe zwischen zwei Sonnenzyklen ist für ein Gremium von zwölf Wissenschaftlern der amerikanischen „National Oceanic and Atmospheric Administration“ (NOAA), die sich mit der Intensität des erwarteten 24. Zyklus befassen, ein Hinweis darauf, dass dieser von einer unterdurchschnittlichen Aktivität sein wird.
Einige dieser Wissenschaftler gehen davon aus, dass der kommende Zyklus mit weniger als 75 Sonnenflecken im Maximum der schwächste der vergangenen 100 Jahre sein wird. Die Sonnenaktivität hat massgeblichen Einfluss auf das Erdklima. Sollte der nächste Zyklus tatsächlich so schwach wie erwartet werden, wird sich das Klima auf der Erde deutlich abkühlen.
Zuletzt geschah es vor 400 Jahren, dass die Sonnenflecken so lange ausblieben und die Aktivität der Sonne so auffallend gering war. In der Wissenschaft ist dieses Ereignis als das „Maunder Minimum“ bekannt. Die darauf folgende Abkühlung ging als „Kleine Eiszeit“ in die Geschichte der Menschheit ein. Sie verursachte Dürren, Missernten und Hungersnöte.
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